Dax-Gewinner Thyssenkrupp: Vom Sorgenkind zur Stimmungskanone?

lifts-1590608_960_720In der Stahlbranche braut sich was zusammen. Schon seit vergangenem Jahr köcheln die Übernahmespekulationen der Stahlsparte von Thyssenkrupp durch den indischen Konkurrenten Tata Steel. Doch angesichts der Größe und wirtschaftspolitischer Bedeutung der beiden Konzerne ist das Schmieden eines gemeinsamen, europäischen Stahlriesen keine leichte Aufgabe. Gestern wurde bekannt, dass die Verhandlungspartner in ihrem Verschmelzungsprozess eine weitere, wichtige Hürde nehmen konnten:

Tata präsentierte eine Lösung zur Abspaltung der milliardenschweren Pensionslasten in Großbritannien, wobei sich die Inder durch die Einzahlung von umgerechnet 640 Millionen Euro in den Pensionsfonds “freikaufen” könnten. Die Treuhänder des Fonds erhalten im Gegenzug 33 Prozent an der britischen Tata Steel-Tochter. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte wiederholt betont, dass vor einer Fusion die Pensionsverpflichtungen von Tata geklärt sein müssten. Die Zustimmung der Regulierer für diesen Masterplan steht allerdings noch aus.

Die stählerne Hochzeit

Doch warum drängt Hiesinger so auf den Hafen der Ehe? Nicht aus romantischen Gründen, sondern aus knallhartem Kalkül. Die gesamte Stahlbranche leidet schon seit Jahren unter Billigimporten aus China, daraus entstandene Überkapazitäten und sinkende Marktpreise. Im Verbund mit Tata Steel könnten die Essener – nach ArcelorMittal – zu Europas zweitgrößtem Stahlkocher aufsteigen und von Synergieeffekten profitieren. Hiesinger will sich mit der Tata-Ehe auch ein Stück weit vom chronisch schwachen Stahlgeschäft distanzieren und Thyssenkrupp als Industrieunternehmen positionieren. Dazu meinte der Firmenchef kürzlich: »Die Rohstoffmärkte und damit die Werkstoffgeschäfte unterliegen starken Schwankungen, die wir nicht beeinflussen können. Deshalb konzentrieren wir uns strategisch auf den Ausbau der Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte.«

Altlasten wiegen schwer

Tatsächlich hinterließ das Stahlgeschäft tiefe Kratzer in der vergangene Woche vorgelegten Bilanz: Unterm Strich stand im zweiten Geschäftsquartal ein Minus von 879 Millionen Euro in den Büchern, operativ sank das Ergebnis von 97 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nur noch 55 Millionen Euro. Vor allem der Verkauf des “Stahl-Sorgenkindes” Steel Americas in Brasilien bescherte Thyssenkrupp derbe Verluste. Die mehr als ein Jahrzehnt dauernde, exotische Abenteuerreise hat den Konzern insgesamt rund zwölf Milliarden Euro gekostet und fuhr so hohe Verluste ein, dass selbst nach Abzug der Verkaufserlöse für die Werke noch ein Minus von rund acht Milliarden Euro auf der Reisekostenabrechnung steht.

Licht am Ende des Tunnels?

Die gute Nachricht ist: Operative laufen die Geschäfte wieder besser. Die Auftragslage der Industriegütersparte, dem Hoffnungsträger des Stahlkochers, entwickelt sich zweistellig und die Nachfrage nach Aufzügen, Autoteilen, U-Booten und Anlagen nimmt weiter zu. Kritiker bleiben dennoch skeptisch: Können die Einnahmen aus Industrieprodukten die Verluste aus dem schwächelnden Stahlbereich tatsächlich dauerhaft kompensieren? Was geschieht, wenn der zuletzt leicht gestiegene Metallpreis wieder Schwächen zeigt? Die Börsianer scheinen solche Zweifel heute nicht zu quälen – sie schicken Thyssenkrupp schon den zweiten Tag in Folge an die Dax-Spitze. Gestern über vier Prozent, heute über drei Prozent Plus – das nenne ich Vorschusslorbeeren!

Liebe Leserinnen und Leser, das “Prinzip Hoffnung” ist nicht immer der beste Berater beim Aktienkauf und wenn ich mir den Kursverlauf des Stahlriesen ansehe, so hat die Schwerkraft in den vergangenen Jahren doch ihre Spuren hinterlassen. Hätten Sie vor zehn Jahren in Thyssenkrupp investiert, so stünde jetzt ein Kursverlust von -46 Prozent in Ihrem Depot. Da gibt es bessere Alternativen. Welche? Zum Beispiel den boerse.de-Champions-Defensief-Index (BCDI), der seit dem Börsenstart im Juli 2015 mittlerweile mehr als 52% gewonnen hat. Eine Investition, für die Sie keine Nerven aus Stahl benötigen…

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

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