Deutsche Bank: Ein Hoffnungsschimmer nach zwei Horrorjahren

Wie Phoenix aus der Asche: Die Deutsche Bank überraschte im Rahmen der Quartalszahlen-Präsentation mit einer Gewinnmeldung. Nach zwei verlustreichen Jahren verbuchte das Geldhaus in den vergangenen drei Monaten endlich mal wieder einen ordentliches Vorsteuerergebnis von 878 Millionen Euro, was einer Steigerung von 52 Prozent entspricht. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Ergebnis von 868 Millionen gerechnet. Doch die Erträge ließen zu wünschen übrig: Sie gingen um neun Prozent auf 7,3 Milliarden Euro zurück.

Rechtfertigt dieser kleine “Schönheitsfehler” in der Bilanz den Kursrutsch der Aktien von rund drei Prozent zu Handelsbeginn? Teilweise. Neben Gewinnmitnahmen der Anleger, die sich über die Wertsteigerung ihrer Bankenaktien von über zehn Prozent seit Jahresbeginn freuten, waren viele Börsianer mit dem Statement des DB-Chefs John Cryan “Ich bin zufrieden mit unserem Start ins Jahr 2017” nicht ganz einverstanden.

Etwas Licht…

Good news first: Der boomende Anleihenhandel spülte der Deutschen Bank ordentlich Geld in die Kassen. Aufgrund der andauernden Unsicherheiten an den Weltbörsen schichteten Anleger ihr Depot um und zahlreiche Börsen-Neulinge kauften Aktien, um von der andauernden Hausse zu profitieren. Folglich sprudeln die Erlöse aus dem Beratungsgeschäft und Investmentbanking, das sein operatives Ergebnis von 313 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf jetzt 462 Millionen Euro steigern konnte. Mit diesem Resultat liegen die Frankfurter übrigens schwer im Trend: Auch richtungsweisende US-Großbanken profitierten vom starken Anleihengeschäft und verbuchte im ersten Quartal Milliardengewinne.

Auch das Tagesgeschäft mit Privat- und mittelständischen Kunden kam wieder in Schwung. Hier kletterte das Ergebnis vor Steuern auf 320 Millionen Euro nach 63 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Bedeutet das, dass Kunden wieder mehr Vertrauen in das krisengeschüttelte Bankhaus gewonnen haben? Die erst kürzlich abgeschlossene Kapitalerhöhung von 8 Milliarden Euro sollte Kunden und Anleger von der Zukunftsfähigkeit der Bank überzeugen, doch viele argwöhnen, dass die momentanen Überschüsse mehr kosmetischer Natur sind und sich nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen lassen.

…und Schatten


Dem Bankhaus wird “mehr Schein als Sein” unterstellt, denn der Schrumpfkurs des John Cryan hat Köpfe rollen lassen und zu Kostensenkungen von rund zwölf Prozent geführt. So wäre es durchaus denkbar, dass sogar bei gleichbleibenden Einnahmen unterm Strich ein Plus in der Bilanz steht. Zudem profitierte die Deutsche Bank von Basiseffekten und weggefallenen Belastungen, die ein in Wirklichkeit stagnierendes Geschäft in einem günstigeren Licht erscheinen lassen.

Wie gehts weiter?

Um das Bankhaus wieder auf Erfolgskurs zu trimmen und die teils selbst verschuldete Finanzkrise zu überwinden, setzt Cryan auch weiterhin auf den Rotstift. Nachdem die Mitarbeiterzahl innerhalb eines Jahres von weltweit 101.445 auf 98.177 eingedampft wurde, sollen bis 2018 weitere 9.000 Angestellte ihren Job verlieren. Vor allem Mitarbeiter der insgesamt 188 deutschen Filialen, die auf der roten Liste stehen, müssen ihren Hut nehmen und sollen durch freundliche Telefonberater ersetzt werden. Die unverkäufliche Postbank-Tochter wird in die Bank eingegliedert und die Vermögensverwaltung Deutsche Asset könnte im Falle eines Teil-Börsengangs Millionen zur Firmenbilanz beisteuern.

Unterm Strich ist die Neuausrichtung der Deutschen Bank ein enormer Kraftakt. Sowohl Kunden, als auch Mitarbeiter und Aktionäre sollen wieder Vertrauen in die Finanzkraft und Zukunftsfähigkeit der Großbank gewinnen und John Cryan muss wieder und wieder beweisen, dass sein Masterplan auch langfristig Früchte trägt.

Ich wünsche Ihnen einen spannenden, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

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