Die Aktie des Tages: Deutsche Telekom

Morgen präsentiert die Deutsche Telekom Zahlen zum Geschäftsjahr 2016 und weckt bei mir Erinnerungen an meine ersten Ausflüge in die Börsenwelt. Ron Sommer, T-Aktie, Dotcom-Blase…Vor über 20 Jahren gelang es dem Schauspieler Manfred Krug mit einem legendären Werbespot dem Deutschen Volk der Sparer Appetit auf die “Volksaktie” zu machen. „Die Telekom geht an die Börse, und ich gehe mit“, versprach uns der frühere Tatort-Kommissar zur besten Sendezeit, und Millionen Börsenneulinge rochen das ganz große Geld. 1,9 Millionen Privatanleger stiegen ein, 713 Millionen Aktien wurden ausgegeben und spülten 10 Milliarden Euro in die Kassen des Unternehmens und Vater Staat.

Wie gewonnen, so zerronnen: Nach einem kurzen “Kurs-High” von 100 Euro pro T-Aktie im März 2000 platzte die Dotcom-Blase. Das Magenta-Papier kostete zeitweise nur noch acht Euro und liegt momentan mit einem Preis von rund 16,40 Euro pro Stück nur knapp über seinem Ausgabepreis von 14,57 Euro im Jahr 1996. Hätten Anleger ihr Erspartes 20 Jahre lang auf dem Girokonto deponiert, in Sojabohnen oder Goldschmuck für den / die Liebste investiert, so hätten sie damit höchstwahrscheinlich eine höhere Rendite erzielt, als mit dem Kauf der “Volksaktie”.

Der Konzern hat nicht 20 Jahre lang stillgestanden, wie die Zahlen vermuten lassen, sondern ist verzweifelt auf der Suche nach einem Wachstumsmodell. Ich besitze in Zeiten von WhatsApp, Skype und Netflix weder Festnetzanschluss, noch ein digitales TV-Abo. Internet allein reicht mir völlig. Mit dieser “Online-Only” Einstellung bin ich nicht allein. Immer mehr Konsumenten verzichten weitestgehend auf traditionelle Kommunikationsmittel, wie das Telefonnetz oder Mobilfunk, und nutzen vermehrt kostengünstige, digitale Angebote.

Ein Dilemma für die Deutsche Telekom, die zwar für die Bereitstellung der teuren Infrastruktur verantwortlich ist, die Kosten für den Ausbau immer schnellerer Netze aber nicht an ihre preissensible Kundschaft weitergeben kann. Wir machen zwar gerne Gebrauch vom schnellen 4G-Internet, bezahlen aber lieber Amazon Prime für den Download von Filmen und Musik, als das Geld der Telekom für “schnöde” Infrastrukturinvestments in die Tasche zu schieben. Folglich entwickeln sich lediglich die Datendienste der Telekom zu Umsatztreibern, während andere Geschäftsbereiche rückläufig sind oder bestenfalls stagnieren.

Um überhaupt ein Stück vom äußerst rentablen Entertainment-Kuchen abzubekommen, gehen immer mehr Telekommunikationsanbieter dazu über, Medienunternehmen zu kaufen. Diese nutzen zwar die Infrastruktur der “Telcos”, sacken aber den Großteil der Gewinne, die sie mit Content-Angeboten verdienen, alleine ein.

So schluckte der amerikanische Telekommunikations-Riese AT&T den TV-Anbieter DirecTV, die spanische Telefonica kaufte den französischen PayTV-Sender Canal+ und unsere Telekom spekuliert auf eine Hochzeit ihrer Mobilfunktochter T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint. Ein Megadeal, der die Bonner, die am Tropf des äußerst erfolgreichen USA-Geschäfts hängen, mit einem Schlag zum größten Konkurrenten der US-Platzhirsche AT&T und Verizon werden ließe. Wenn, ja wenn, die Fusion der beiden Mobilfunkunternehmen von den Kartellbehörden und Mr. Trump abgesegnet wird. Insider haben da so ihre Zweifel: Donald Trump gilt zwar als unternehmensfreundlich, hat sich aber in Sachen Firmenfusion noch nicht zu einem eindeutigen “Pro” oder “Kontra” bewegen lassen. Die Wettbewerbshüter dürften dagegen bei ihrem Standpunkt bleiben, wonach Amerika auch zukünftig durch vier statt nur drei landesweite Telekommunikationsunternehmen versorgt werden müsse.

Während die Geschäfte der Telekom-Tochter T-Mobile US für Spannung und gefüllte Kassen sorgen, könnte der Kursverfall der britischen Mobilfunksparte BT eine Ergebnisbelastung zur Folge haben. Nach dem Brexit verlor die Telekom-Beteiligung etwa drei Milliarden Euro an Wert. Die große Frage lautet morgen, ob das erfolgreiche US-Geschäft die Verluste in England und anderen Teilen Europas wettmachen konnte. Börsianer rechnen insgesamt mit einer erhöhten Gewinnausschüttung für Aktionäre um fünf Cent auf 60 Cent pro Aktie und einem leichten Wachstum: Der Betriebsgewinn dürfte unterm Strich um acht Prozent auf 21,5 Milliarden, der Jahresumsatz um fünf Prozent auf 72,7 Milliarden Euro gestiegen sein.

Wer im Rahmen der morgigen Bilanz-Präsentation auf neue Hinweise zur geplanten Fusion von T-Mobile US und Sprint wartet, muss sich aber wahrscheinlich noch in Geduld üben: Aufgrund der laufenden Frequenzversteigerung in den USA, die noch bis April im Gange ist, gilt für alle beteiligten Telekommunikationsanbieter absolutes Stillschweigen.

Ich wünsche Ihnen einen spannenden und erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

http://www.boerse.de/geldanlage/Die-Aktie-des-Tages-Deutsche-Telekom-von-Miss-boersede/7745582

 

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