Deutsche Bank Hauptversammlung: Eine große Baustelle

RTX1FRLJDie Aktionäre der Deutschen (Skandal-) Bank trafen sich heute um 10:00 Uhr zur Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle. Von Partystimmung jedoch keine Spur. Schon vor Beginn der Veranstaltung geisterten Fotos aufgebrachter Anteilseigner und kinky gekleideter Demonstranten durch die Liveblogs der deutschen Presselandschaft. Mein persönliches Highlight sind die Öko-Aktivisten der Gruppe “Urgewald”, die vor dem Gebäude Putzlumpen und Flyer mit der Überschrift “Sauber machen, Herr Cryan” verteilten.

Den Lumpen-Aktivisten wollen die Deutsche Bank mit ihrer Aktion dazu bringen, Unternehmen die in Waffen- oder umweltfeidliche Kohlegeschäfte verstrickt sind, finanziell nicht mehr zu unterstützen. Ein hübscher Gedanke, wobei ich mir vorstellen könnte, dass Vorstandschef John Cryan heute auf anderen Baustellen reinen Tisch machen muss.

Eine kleine Zusammenfassung der Deutschen Bank Problemchen:

* Der Aktienkurs fiel in diesem Jahr auf den tiefsten Stand seit der 90er Jahre. Die Dividende wurde gestrichen.

* Das Bilanzjahr 2015 endete mit einem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro.

* Die DB hat mit einem enormen Image- und Vertrauensverlust zu kämpfen.

* Unzählige Rechtsstreitgkeiten kosten die Bank viel Zeit und Geld. Cryan geht im laufenden Jahr von “nur” 2,1 Milliarden Euro aus.

* Hohe Strafgelder, Gerichtskosten und historisch niedrige Zinsen zwingen die Bank auf Sparkurs.

* Die Aktionäre wollen vor allem eines: Wissen, wohin die Reise geht.

Beobachter rechnen – wie schon vor einem Jahr- mit einem filmreifen Clash zwischen Anteilseignern, deren Investment sich im letzten Jahr halbiert hat, Firmenboss John Cryan, dem gerade erst zurückgetretenen Co-Chef Jürgen Fitschen und Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner. Die drei Hauptdarsteller haben ganz unterschiedliche Rollen im DB-Drama. John ist der “Aufräumer” und Hoffnungsträger der Aktionäre, Jürgen spielt den verprellten “Ausscheider”, der so unentbehrlich ist, dass er in Teilzeit weiterhin Firmenkunden betreut und Paul den “Buhmann”, der als interner Kontrolleur gepfuscht und der Bank höhere Strafen für Zinsmanipulation eingebrockt haben soll, als eigentlich nötig.

Diesen Vorwurf will eine Aktionärin jetzt genauer prüfen lassen und verlangt eine Abstimmung darüber, ob vier Sonderprüfungen durchgesetzt werden, die das (Fehl-) Verhalten von Paul Achleitner & Co. bei der Aufklärung der weltweiten Zinsmanipulations-Affäre ans Licht bringen sollen. Hätte die DB besser mit den britischen Behörden kooperiert, wäre sie eventuell einem Teil der 2,5 Milliarden Dollar- Strafe entgangen.

Um die Stimmung in der Halle zu retten, legte sich John Cryan mächtig ins Zeug und probierte, einen auf Aufbruchstimmung zu machen. Es fielen Statements wie: “Wir haben die Chance, die Deutsche Bank auf das zu konzentrieren, was sie stark macht.” oder “Fleiß, Ehrlichkeit, Vertrauen und Gründlichkeit sind die Tugenden der Deutschen Bank.” Und nicht zu vergessen: “Unsere neue Private-Banking-App ist wirklich klasse.” Na da sind wir aber froh! Ein toller Anfang und der richtige Zeitpunkt für die Aktionäre, um sich aufs Würstchen-Buffet zu stürzen. Frei nach dem Motto: Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei. Mahlzeit!

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