Krise auf dem Börsenparkett

oilFür einen Börsen- “Rookie” wie mich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie die Börse auf politische, wirtschaftliche oder auch sportliche Ereignisse reagiert. Die Stimmung kann binnen Minuten von “Himmelhoch jauchzend” in “zu Tode betrübt” umschlagen.

Häufig sind Zeitungsartikel, Gerüchte oder Meinungen von Analysten die Ursache für plötzliche Kurs-Achterbahnen, manchmal stecken aber auch Ereignisse von enormer, weltpolitischer Tragweite dahinter wie die Serie von Schreckensmeldungen der letzten Wochen zeigt.

Der DAX war gerade auf dem besten Wege dazu, uns vorweihnachtlich kräftige Gewinne zu bescheren, als ihn die Terrormeldungen aus Paris und der Abschuss des russischen Kampfjets an der syrischen Grenze aus dem Konzept brachten.

Während sich die Anschläge in Frankreich vor allem nachteilig auf weltweite und europäische Indizes wie den DAX oder den französichen CAC 40 und Aktien der Luftfahrt- und Tourismus-Branche auswirkten (Reisewarnungen!), hat der Vorfall an der türkisch-syrischen Grenze ganz andere Konsequenzen.

Drohende Konflikte im Nahen Osten sorgen für Sorgenfalten auf dem Börsenparkett und rufen Erinnerungen an vergangene Irak-Krisen ins Gedächtnis zurück. Vorausblickende Börsianer denken dabei gleich an Rohöl-Versorgungsengpässe, zu denen es im Ernstfall kommen könnte, wenn Streitigkeiten eskalieren und Transportwege eingeschränkt werden. Und so zählte das schwarze Gold nach wochenlangen Verlusten zu den großen Gewinnern des gestrigen Tages: ein Barrel Nordseeöl verteuerte sich um rund 4 Prozent auf 46,50 Dollar.

Der Ölpreis hat sich seit Mitte 2014 – von ein Paar Zuckungen mal abgesehen- von mehr als 100 Dollar auf weniger als 50 Dollar halbiert.

Des einen Freud, des anderen Leid: während wir an der Tanke jeden Cent weniger bejubeln, schadet der niedrige Rohölpreis einigen Ländern ganz gewaltig.

Ursache ist vor allem eine Ölschwemme der Opec (Organisation erdölexportierender Länder) mit Saudi-Arabien an der Spitze, die mit niedrigen Preisen die Konkurrenz durch das per “Fracking” gewonnene Öl in den USA bekämpfen wollen. Beim Fracking werden Öl und Gas aus tiefliegendem Schiefergestein “gepresst”. Eine sehr umstrittenen Methode, die viele Risiken für Trinkwasser, Natur und Landschaft mit sich bringt.

Das Überangebot sorgt für dauerhaft niedrige Preise auf dem Weltmarkt und Wachstumsprobleme bei den Schwellenländern, die vom Geschäft mit Rohstoffen abhängiger sind als Industrie-Nationen.

Der niedrige Ölpreis sorgt auch bei uns für Stirnrunzeln. Gerade jetzt, wo Sonnen- und Windenergie sexy werden, kommen die Ölscheichs mit Dumpingpreisen und ruinieren ambitionierte Öko-Stromprojekte mit ihren billigen, fossilen Brennstoffen. Gift für den Fortschritt und Gift für die Umwelt.

Doch es gibt Hoffnung: Am 4. Dezember treffen sich die Mitglieder der Opec  und beraten über Maßnahmen zur Stabilisierung des Ölpreises. Saudi-Arabien kündigte schon im Vorfeld seine Mitwirkung an und könnte seine Fördermengen bewusst reduzieren was wiederum den Ölpreis steigen ließe.

http://getbux.com/de/author/sabine-lembert/

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