Pernod Ricard: ernüchternde Zahlen?

In einer Opiumhöhle will Inspektor Abberline (Johnny Depp) den Schmerz der Erinnerung an seine verstorbene Frau betäuben. Die Drogen haben allerdings noch einen weiteren Effekt: Sie verstärken seine hellseherischen Fähigkeiten...

Zugegeben, es ist noch ein bisschen früh für alkoholisches aber aus gegebenem Anlass muss ich doch mal aus dem Weinkeller, äh, Nähkästchen plaudern.

Wie die meisten Teenager wollte auch ich vor vielen Jahren mal was total „verbotenes“ ausprobieren. Zur Wahl standen Mitte der 90’er Jahre: Red Bull aus Österreich per Fahrrad nach Deutschland schmuggeln oder Absinth testen. Mein Girls-Club und ich entschieden uns für Letzteres und probierten leider vergeblich, von dem Aniszeug mit angeblich süchtig machendem Thujon irgendwie high zu werden. Wir waren beschwipst, mehr nicht.

Hersteller des eher harmlosen Getränks ist das französische Unternehmen Pernod Ricard. Der Spirituosenhersteller, der sich auch weitere Feten-Hits wie Absolut (Wodka), Havana Club (Rum) oder Kahlúa (bah, Kaffee Likör) auf die Fahne schreiben kann, lässt uns morgen tief in seine Bücher schauen.

Größte Konkurrenten im hart umkämpften Schnapps-Business sind Bacardi und die Engländer Diageo mit Marken wie Smirnoff, Baileys und Captain Morgan.

Pernod Ricard’s wichtigster Absatz-Markt sind die USA und gerade da hapert es. Im August musste Pernod zugeben, dass das Amerika-Geschäft trotz allgemeinem Wachstum im Spirituosen-Segment an einem heftigen Kater leidet. Der Geschmack der Amis hat sich geändert: sie mixen ihre Coke lieber mit „braunem“, hochprozentigem wie Rum oder Whiskey statt mit Wodka, Pernods wichtigstem Umsatz-Zugpferd.

Und noch ein internationaler Trend bereitet den Franzosen momentan Kopfschmerzen: sogenannte „Craft Vodkas“. Das sind kleine, aber feine Schnapsbrennereien, die sich seit einigen Jahren auf dem Markt tummeln und den Big Boys Marktanteile abluchsen. Sie brauen Schnaps aus lokalen und oft biologischen Zutaten.

Gin aus München, Whisky von der Havel, Kräuterliköre aus Berlin: Ähnlich wie bei Wein und Lebensmitteln steigt auch bei hochprozentigem die Nachfrage nach regionaler Produktion und hochwertigen Zutaten.

Pernod hat diesen Trend (endlich) auch erkannt und will mit der Hippster-Marke „Our/Vodka“ Berliner Ursprungs die Städte dieser Welt erobern.

Doch wenn es ums Wachstum geht, dreht es sich vor allem mal wieder um ein Land: China. Wer macht das Rennen in den Karaoke-Bars? Während viele Konzerne in China derzeit auf die Nase fallen, hat Pernod Ricard mit dem Verkauf von Cognac in der Volksrepublik wieder bessere Geschäfte gemacht. Wie den Rivalen Diageo und Remy Cointreau macht auch Pernod seit längerem der Anti-Korruptionskampf der Pekinger Regierung zu schaffen. So dürfen Beamte nicht mehr mit teuren Fläschchen beschenkt, oder besser gesagt, bestochen werden.

Wie die Schnaps-Geschäfte im Sommer gelaufen sind, wird uns Pernod morgen verraten. Und ihr dürft jetzt schon mal mit nüchternem Blick tippen!

http://getbux.com/de/author/sabine-lembert/

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