Gemälde, Oldtimer, Juwelen: Was taugen Sammlerstücke als Geldanlage?

precious-1199183_960_720Schwankende Aktienkurse, ultra- niedrige Zinsen, regulierte Kryptowährungen, weltpolitische Unsicherheiten: viele Anleger fühlen sich von den momentanen Rahmenbedingungen verunsichert und flüchten in “abstrakte” Märkte jenseits der klassischen Anlageformen. Zum Beispiel in Kunst oder Oldtimer, sogenannte “Collectibles”, also Sammlerstücke.

Zugegeben: ein verlockender Gedanke, der die Fantasie vieler Investoren beflügelt. Man kaufe ein Gemälde eines (noch!) nicht entdeckten Künstlers zu einem günstigen Preis, hänge es an die Wand, erfreue sich an seinem Anblick und versilbere das Kunstwerk ein paar Jahre später zu einem exorbitant höheren Preis. So einfach geht Geldverdienen!

Kunst oder Krempel?

Auch die mediale Berichterstattung rund um das Thema Kunst & Kapital gießt Wasser auf die Mühlen. Zum Beispiel mit Schlagzeilen wie diesen: “Ist 2018 das Jahr der sensationellen Scheunenfunde?” oder: „Bares für Rares: Diese Schätze sorgen für Sensationssummen”. So brachte beispielsweise eine Beatles-Schallplatte ganze 30.000 Euro, ein Oldtimer der Marke Borgward 35.000 Euro, und eine seltene Goldmünze 25.000 Euro ein. Summen, mit denen die glücklichen Besitzer nicht gerechnet hatten. Auf dem “echten” Kunstmarkt locken, zumindest in Theorie, natürlich noch höhere Verkaufspreise.

Zum Beispiel beim Auktionshaus Sotheby’s, dessen Geschäftsjahr 2018 mit der Versteigerung von Picassos schönem Porträt der Marie-Therese Walter für 70 Millionen Dollar an das hervorragende Vorjahrsresultat anknüpfte. Sotheby’s Managing Director Deutschland, Dr. Philipp Herzog von Württemberg, kommentierte die Geschäftsentwicklung: „2017 war ein sehr gutes Jahr, das Sotheby’s mit einem Konzernumsatz von 5,5 Milliarden Dollar abschließt; dies entspricht einer Steigerung von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sowohl die erzielten Gesamtergebnisse in den Auktionen weltweit und den Privatverkäufen zeigen ein Wachstum von 8 Prozent respektive 28 Prozent”.

Eine Asset-Klasse für Kenner

Das Interesse an Sammlerstücken als Geldanlage scheint also zu wachsen. Doch die Rendite von Kunst-Investments hinkt den Erwartungen eindeutig hinterher. Eine neue Studie von Wissenschaftlern der London Business School und Experten der Schweizer Bank Credit Suisse zeigt eindrucksvoll, wie sich verschiedene Anlageklassen seit 1900 entwickelt haben. Darunter Aktien, Gold, Immobilien, Anleihen und: Kunst. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Studie: Aktien zahlen sich auf lange Sicht immens aus. So lag die Rendite bei einer weltweiten Aktienanlage seit 1900 bei 5,2 Prozent pro Jahr. Erhebungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) für deutsche Aktien sind sogar noch positiver. Für einen Anlagezeitraum von 20 Jahren erzielte der Dax im Schnitt rund 9 Prozent Rendite. Kunst entpuppte sich hingegen mit einer Wertsteigerung von im Mittel nur 1,9 Prozent als sehr mäßiger Renditebringer und kennt zudem eine Reihe von Risiken:

• Kunst-Investoren müssen über den nötigen Sachverstand verfügen, um die “Sahnestücke” des Marktes zu identifizieren, und das nötige Kleingeld, um diese auch zu kaufen zu können.
• Selbst wenn Kenntnis und Kapital vorhanden sind, gibt es keine Garantie auf die Renditeentwicklung.
• Kunst erwirtschaftet keine Zinsen oder Dividenden.
• Bei Kunstwerken handelt es sich, ähnlich wie bei Immobilien, um illiquide Anlageformen, die sich nicht ohne Weiteres veräußern lassen.
• Der Kunstmarkt ist intransparent, und die Transaktionskosten sind hoch.
• Schönheit liegt im Auge des Betrachters und kann fundamental kaum valide bewertet werden.

Wenn Sie also unter die Kunst-, Oldtimer-, Wein- oder Schmucksammler gehen wollen, dann sehen Sie Ihr Investment besser nicht unter Renditegesichtspunkten. Genießen Sie Ihren Ankauf, aber stellen Sie Ihre langfristige Vermögensplanung lieber auf ein solides Fundament.

Advertisements
Gemälde, Oldtimer, Juwelen: Was taugen Sammlerstücke als Geldanlage?

Börsen-Indikatoren: Was High-Heels, Miniröcke und die Sotheby’s Aktie über die Finanzmärkte sagen

girl-925410_960_720Wir Börsianer sind doch immer auf der Suche nach dem Wirtschaftsorakel, das uns möglichst schnell und zuverlässig Aufschluss über die zukünftige, konjunkturelle Entwicklung gibt. Droht die nächste Krise oder dürfen wir der gegenwärtigen Aktien-Hausse noch ein Weilchen trauen?

Dabei verhält sich mancher Marktteilnehmer wie ein verschmähter Liebhaber: Er sucht nach Gründen und Indizien, die für oder gegen die Zuneigung seiner Angebeteten sprechen könnten. Handleser, Astrologen, Gänseblümchen… alle möglichen Ratgeber werden auf der Suche nach einer Antwort konsultiert. Da es für die Prognose von Börsenkursen weder passende Blumen, noch verlässliche, esoterische Berufsgruppen gibt, mühen wir uns mit semiprofessionellen Indikatoren, die äußerst amüsant und zeitweise sogar zutreffend sind. Also, sehen wir sie uns einmal näher an, die mystischen Börsenorakel…

Minirock vs. High-Heels

Weibliche Attribute sprechen eine Sprache, für die die (meist männlichen) Börsianer offensichtlich ein sehr feines Gehör haben. Warum sonst gibt es keine Bartlängen-, Bildschirmgrößen-, oder Bierverbrauch-Indikatoren?

Der Ökonom Georg Taylor veröffentlichte deshalb nach umfassenden Studien in den 20er-Jahren die “Rocksaumtheorie”. Ihr zufolge gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Florieren der Wirtschaft und der Länge der Röcke bzw. Kleider. Je größer das Wachstum, desto kleiner der Stoff, könnte man sagen. Taylor zog daraus den Schluss, dass auf Wohlstand Optimismus und Risikofreude folgen. Seine inspirierende These wurde sogar vom National Bureau of Economic Research validiert und siehe da: Die Datenanalyse zeigt, dass die Rocklänge tatsächlich auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung reagiert allerdings mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu drei Jahren.

Ein Blick auf die Terrasse des Eiscafés verrät: Die rocklängenbasierte Wirtschaftsprognose gestaltet sich diesen Sommer schwierig. Vom Mini über Bleistiftrock bis hin zum knöchellangen Kleid ist alles vertreten. Also auf zum nächsten Indikator: dem Schuhwerk.

Was viele gerne sehen würden (Mini + High-Heels) ist sowohl out, also auch ein wirtschaftlicher Widerspruch. Kurze Röcke deuten auf einen Wirtschaftsaufschwung, hohe Absätze dagegen auf konjunkturelle Krisenstimmung. Der “High-Heel-Index” besagt nämlich, dass Frauen sich ein umso gewagteres Styling und höhere Stöckelschuhe gönnen, je trüber die Stimmung an den Märkten ist. Auch in diesem Punkt herrscht Unstimmigkeit unter der weiblichen Fokusgruppe: Diesen Sommer geht alles von Ballerinas über Sneakers bis hin zu Stilettos. Bleibt uns noch die Flucht in die Welt der Kunst…

Kunst-Kurven

Der Aktie von Sotheby’s wird ein untrüglicher Riecher unterstellt. Während das Investieren in Kunst eine sehr spekulative Angelegenheit ist, fungiert der Kursverlauf des Auktionshauses als verlässlicher Indikator für Blasen am Finanzmarkt. Er hat die großen drei Einbrüche der vergangenen Jahrzehnte vorhergesagt und funktioniert nach einem logischen Prinzip: Wenn die Leute zu Beginn einer Hausse anfangen, im Geld zu schwimmen, wissen sie oft erst nicht, wohin damit. Bis sie auf die Kunst stoßen. Dann kann es zu einem spektakulären Boom kommen und der Sotheby’s Aktienkurs steigt. Wenn jedoch die Konjunktur und damit die Stimmung der Kaufkräftigen beginnt zu kippen, sparen sie zuallererst an Statussymbolen. Gemälde, Schmuck und Skulpturen verlieren an Bedeutung, der Sotheby`s-Kurs fällt.

Vertraut man dem Kunst-Orakel, so stehen momentan noch alle Zeichen auf “Grün”: Die Kurs-Kurve zeigt steil nach oben, die Unternehmenskennzahlen entwickeln sich erfreulich und erst gestern wechselte ein spektakuläres Kunstobjekt den Besitzer: die teuersten Diamantohrringe der Welt (57 Millionen Dollar).

Liebe Leserinnen und Leser, die Börse wird auch als “größtes Spiel der Welt” bezeichnet und dazu gehören natürlich allerlei Strategien und “Kniffe”, mit denen Könner versuchen, ihre Gewinnchancen zu maximieren. Sehr unterhaltsam aber nicht “überlebensnotwendig”, denn langfristig lassen auch Miniröcke die Märkte kalt. Was zählt, ist die Laufrichtung: aufwärts. Im Mittel gewinnen Dax und Dow jährlich 9 Prozent an Wert, seit Jahresbeginn brachten es Dax und BCDI sogar auf eine Rendite von 11,5 bzw. 11,6 Prozent. Zahlen, die eine deutlichere Sprache sprechen, als jeder Indikator…

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende,

Ihre Miss boerse.de

Börsen-Indikatoren: Was High-Heels, Miniröcke und die Sotheby’s Aktie über die Finanzmärkte sagen