Snapchat: Eine Aktie auf Geisterbahn-Fahrt

snapchat-2123517_960_720Wie heißt es doch so schön? “Schadenfreude ist die schönste Freude”. Eigentlich kein sehr rühmliches Verhalten denn das Belächeln des Unglücks anderer hat immer einen bitteren Beigeschmack. Doch heute mache ich mal eine Ausnahme: Die Snapchat-Aktie verlor gestern 24 Prozent an Wert und ich schadenfreue mich “Hab ichs nicht gewusst!”. Schon kurz nach dem Börsengang der Chat-App mutmaßten wir, dass sich die Kursgewinne des Senkrechtstarters aufgrund der mangelhaften Monetarisierungs-Strategie geisterhaft schnell in Luft auflösen könnten.

Und tatsächlich: Nach einem fulminanten Börsendebüt Anfang März, bei dem die mehrfach überzeichnete Snap-Aktie zum Ausgabepreis von 17 Dollar innerhalb weniger Minuten um 44 Prozent in die Höhe schnellte, verließen sie gestern alle guten Geister. Enttäuschte Anleger bestraften den Betreiber der Foto-App für das vorgelegte Zahlenwerk und beförderten Snapchat gestern praktisch auf das Niveau des Ausgabepreises.

Quartalszahlen enttäuschen

Das hätte sich Firmengründer Evan Spiegel anders vorgestellt. Beim Quartalszahlen-Debüt überzeugte sein junges Unternehmen die Investoren in keiner einzigen Messzahl. Zwar erreichte Snapchat in den vergangenen drei Monaten ein Umsatzwachstum von 39 Prozent auf 149,7 Millionen Dollar, doch erstens hatten Analysten im Vorfeld mit 158 Millionen Dollar gerechnet und zweitens wurde das Wachstum teuer erkauft. Unterm Strich steht ein Nettoverlust von 2,2 Milliarden Dollar nach “nur” 104 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Ein schwacher Trost: Der Verlust liegt überwiegend an den Aktienoptionen, die sich Snapchat-Mitarbeiter im Zuge des Börsengangs gönnten. Allein Evan Spiegel erhielt für den IPO seines “One Trick Ponies” einen Sonderbonus von 750 Millionen Dollar.

Für dieses “Taschengeld” darf er jetzt ordentlich arbeiten – das ist er seinen Anlegern schuldig. Seine erste Baustelle ist vermutlich das träge Nutzerwachstum der Chat-App, die sich zum Ziel gesetzt hat, sowas wie das nächste Facebook zu werden aber keinesfalls zu einem erfolglosen Twitter oder Yahoo zu verkommen. Nutzer sind für Werbetreibende bares Geld wert. Je besser sie die kaufkräftige Zielgruppe der “Millennials” erreichen können, desto besser funktioniert das Anzeigengeschäft. Snapchats User-Wachstum bleibt mit nur 8 Millionen neuen Nutzern in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurück. Das kann zum einen daran liegen, dass der “Hype” rund um die Foto-App, deren Bilder und Videos sich nach kurzer Zeit selbst “zerstören”, langsam abflaut. Zum anderen entwickelt sich Snap’s größter Konkurrent Facebook zu einem extrem talentierten Copycat.

Wer hat Angst vorm Zuckerberg?

Seit Facebook damit anfing, erfolgreiche Snapchat-Elemente wie “Stories” (von Usern erstellte Geschichten) und diversen Fotobearbeitungs-Schnickschnack auf seinen eigenen Plattformen Messenger und Instagram anzubieten, knickten bei Snap die Nutzerzahlen ein. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Branchen-Neuling mit nicht mal 200 Millionen Usern auf Dauer gegen einen kampflustigen “Goliath” wie Facebook mit fast zwei Milliarden Kunden durchsetzen kann.

Geschäftsmodell: Verzweifelt gesucht

Die Frage, die sich Evan Spiegel jetzt vermutlich stellt ist: Wie kann Snapchat Geld verdienen und gleichzeitig Facebook Paroli bieten? Einer seiner Pläne ist äußerst riskant. Spiegel eliminierte das einzige Alleinstellungsmerkmal seiner App: Selbstzerstörende Nachrichten. Stattdessen können Anwender Bilder und Videos jetzt auch beliebig lange in der App “stehen” lassen. Stellen Sie sich vor, Tesla würde plötzlich dazu übergehen, auch Benziner zu bauen, weil der E-Auto-Pionier davon mehr verkaufen könnte. Die Magie der Marke wäre auf einen Schlag vernichtet. Ähnlich könnte es Snapchat ergehen, sollte Evan Spiegel ihr den “geisterhaften” Charakter rauben.

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: Das Anzeigengeschäft steckt noch in den Kinderschuhen und sollte schon bald dafür sorgen, dass Snapchat seine Nutzer besser vermarkten kann. Zudem machen Gerüchte die Runde, wonach der Börsenneuling ein attraktiver Übernahmekandidat für Medienkonzerne wie Disney sein könnte.

Sie sehen schon, liebe Leserinnen und Leser, die Snapchat-Story ist ungemein spannend aber gleichzeitig hoch spekulativ. Wenn Sie sich lieber in ruhigerem Fahrwasser bewegen und Ihr Kapital nicht “hippen” Börsen-Newcomern anvertrauen möchten, die sich als Eintagsfliegen entpuppen könnten, so empfehle ich Ihnen einen Blick auf unseren BCDI. Der boerse.de-Champions-Defensiv-Index ist ein langfristiges Investment bestehend aus zehn besonders risikoarmen, renditestarken Aktien, mit denen Sie bestimmt ruhigere Nächte haben, als die Snapchat-Anleger.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

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Snapchat: Eine Aktie auf Geisterbahn-Fahrt

Daumen hoch für die Facebook-Aktie

So umstritten das Social Network auch sein mag: Die Facebook-Aktie verdient ein dickes “Like”. Dieser Meinung waren gestern auch die Analysten der Investmentbank Barclays, die dem Technologiewert das Prädikat “Overweight” verliehen und ein Kursziel von 153 US-Dollar in die Bewertung aufnahmen. Momentan kostet ein Facebook-Anteil rund 143 US-Dollar.

Seit ihrem Börsendebüt im Mai 2012 gewann die FB-Aktie 260 Prozent an Wert, doch die Erfolgsgeschichte kannte ein paar Stolpersteine. Nach einem gefeierten IPO zum Ausgabepreis von 38 US-Dollar fiel die Aktie innerhalb weniger Tage unter 30 US-Dollar und erholte sich erst wieder im Dezember 2013, als die werbefinanzierte Konzernstrategie Form annahm und Anleger von der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens überzeugte.

Snapchat: Konkurrent oder Copycat?

Eine ähnliche “Story” kennt Snapchat. Nach einem Raketenstart entpuppte sich das gefeierte Tech-IPO zum Rohrkrepierer. Snap Inc. notiert momentan bei einem Kurs von rund 21 US-Dollar- 9,3 Prozent unter dem Aktien-Hoch am ersten Handelstag. Ähnlich Facebooks Werdegang muss auch Snapchat erst noch seine Richtung finden und momentan ist unklar, ob sich der Wert zur “Geister-Aktie”, oder Gewinnmaschine entwickeln wird.

Auch wenn die Anleger bislang skeptisch sind: Snap Inc. hat schon seit Jahren einen mächtigen Verehrer. Kein anderer als Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg klopfte bereits 2012 bei Snapchat an und bot den Eigentümern Evan Spiegel und Bobby Murphy zunächst eine, später sogar drei Milliarden Dollar für ihr junges Unternehmen. Doch Mark biss auf Granit. Evan und Bobby wollten nicht verkaufen und zwangen Zuckerberg dazu, sich auf Plan B zu besinnen: Das schamlose Abkupfern von Snapchat-Features.

Aktuellstes Beispiel: Snapchats “Stories”. Zuerst kopierte Zuckerberg das Video- und Fotoschnipsel Feature, mit dem Nutzer ihren Alltag aufhübschen und teilen können, nur auf seiner Fotoplattform Instagram. Doch seit Kurzem können auch User der Facebook-App Bildergeschichten-Posts über “ihren Tag” publizieren. Inklusive mehr oder weniger lustigen Gesichts-Filtern, Masken und Zeichnungen.

Gut möglich, dass Snap Inc. den “Klone War” mit dem überambitionierten Facebook verlieren wird, zumal das führende Social Network gegenüber der Geister-App einen überragenden, wirtschaftlichen Vorteil hat: Facebook scheffelt Millionen mit Werbeeinnahmen.

Die Spitze des Zuckerbergs

Die Geldquelle, der Twitter und Snapchat noch auf der Spur sind, hat Facebook längst erschlossen. Im vergangenen Jahr blieben nach einem sehr erfolgreichen Schlussquartal 3,56 Milliarden Dollar in der Kasse, was einem Zuwachs von 128 Prozent entsprach. Auch der Umsatz explodierte gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 Prozent auf 8,81 Milliarden Dollar wobei Werbeeinnahmen mit 8,63 Milliarden Dollar der weitaus größte Umsatzbringer des Konzerns waren. Da das Wachstum aus Werbegeldern in den kommenden Jahren an seine Grenzen stoßen wird, hat Mark Zuckerberg eine neue Strategie bedacht. Beziehungsweise abgekupfert. Womit Netflix und Amazon schon seit Jahren erfolgreich sind, will Facebook nachahmen: Die Produktion von Video-Inhalten, die vor allem junge Zuschauer überzeugen soll. Wie immer setzt Facebook auch hier auf Werbeeinnahme, die zwischen den Inhalte-Produzenten und der Video-Plattform geteilt werden sollen.

Auch boerse.de ist auf Facebook vertreten. Wir wollen mit unserem Auftritt jedoch kein Geld verdienen, sondern schlicht und einfach mit unseren Leserinnen und Lesern kommunizieren. Schauen Sie doch mal vorbei, wir freuen uns über Ihre “Likes”, “Shares”, Kommentare und Anregungen!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

 

Daumen hoch für die Facebook-Aktie