Inditex: Kann der Börsen- und Frauenliebling morgen liefern?

audience-1840941_960_720Ein objektiver Artikel über Inditex. Keine leichte Aufgabe für eine AutorIn! Während meiner Recherche befinde mich nämlich in einem permanenten Gewissenskonflikt zwischen “200 Euro auf zara.com vershoppen”, oder “200 Euro in Inditex-Aktien investieren”. Das spanische Modeimperium, das mit Marken wie Massimo Dutti, Bershka und Zara die Herzen der Damenwelt und Aktionäre gleichermaßen höher schlagen lässt, präsentiert morgen Zahlen der vergangenen drei Monate und wir wollen wissen: wie laufen die Geschäfte des boerse.de-Top-Defensiv-Champions Inditex?

Kleine Preise, große Gewinne

Eine Strategie, mit der “Industria de Diseño Textil S.A.” zum größten Textilhersteller der Welt geworden ist. Der spanische “Fast-Fashion”-Konzern weiß, was Frauen wollen und liefert gut kopierte Laufstegmode frisch von der Fashionshow direkt auf den Ladentisch. Zu einem Bruchteil des Preises, den die echten Designerstücke kosten, versteht sich. Endlich können modebewusste Kundinnen und Kunden die “Looks”, die in den aktuellen Mode- und Lifestylezeitschriften zu sehen sind, sofort zu erschwinglichen Preisen nachkaufen. Eine Versuchung, der auch ich oft nicht widerstehen kann…

Mit diesem Konzept ist der Spanier Amancio Ortega zur Unternehmerlegende, zum reichsten Mann Europas und viert reichstem Mann der Welt geworden. Sein Imperium umfasst derzeit acht Marken, zählt weltweit fast 7300 Boutiquen und ist in 93 Märkten vertreten. Eine unglaubliche Präsenz, die den schwedischen Konkurrenten H&M mit “nur” 4400 Geschäften in 66 Ländern wie ein Mauerblümchen aussehen lässt.

Auch in puncto Gewinn hat Inditex den Rivalen Hennes & Mauritz im vergangenen Jahr vom Fashion-Thron gestoßen: 3,16 Milliarden Euro Gewinn bleiben bei den Spaniern im Geschäftsjahr 2016/17 bis Ende Januar in der Kasse. H&M hatte im Jahr 2016 „nur“ zwei Milliarden Euro Gewinne gemacht.

Ein Mode-Märchen mit Happyend?

Die Inditex-Erfolgsgeschichte hat ihren Höhepunkt vermutlich noch lange nicht erreicht. Viele Analysten gehen davon aus, dass das Unternehmen in Q1 ein Wachstum von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal erzielte und mit 650 Millionen Euro deutlich mehr verdiente als im Vergleichszeitraum 2016 (540 Millionen Euro). Eine Entwicklung, die auch die Anleger des boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI) freut, die direkt vom Kursgewinn der Inditex-Aktie von über 11 Prozent seit Jahresbeginn profitieren.

Meine Kollegen haben Inditex aber nicht aufgrund ihres ausgeprägten Modeinteresses in die Elite-Familie der zehn BCDI-Aktien gewählt, sondern weil die Aktie des spanischen Fashion-Imperiums hohe Kursgewinne und überdurchschnittliche Dividendenrendite bei gleichzeitig geringen Kursschwankungen aufweist. Qualitätsmerkmale, die nur echte Champions-Aktien auszeichnen.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

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Lufthansa: billiger ist nicht immer besser

pam-ann-first-crass1Psst…für die flotten Finger unter euch gibt’s heute Mittag um 13.00 Uhr ein ganz heißes Date mit eurer Lieblingsapp! Lufthansa veröffentlicht um diese Zeit Verkehrszahlen des vergangenen Monats. News, die die Aktie auf Wolke 7 katapultieren könnten. Konjunktiv! Bevor ihr jetzt vorschnell den Trade-Button drückt, schauen wir uns mal lieber die “ins and outs” des Überflieger-Papiers an.

Billig macht willig

Ticketkäufer ticken anders als Kunden anderer Branchen. In der Luftfahrt zählt momentan einzig und allein der Preis pro Flugstrecke. Den meisten Passagieren ist es völlig egal, ob die Stewardess irgendwie freundlich rüberkommt und einen im Ernstfall über die Notrutsche lotsen könnte, obs Gratis-Brötchen, oder wenigstens einen Plastikbecher Wasser gibt. Nein, wir wollen billig nach Malle. Und das notfalls auch mit Hamptidamti-Airways.

Die LH ist vielleicht nicht unbedingt ein Preisbrecher, hat aber zwei Mega-Trümpfe in der Hand, die der Kranich-Aktie in den vergangenen zwölf Monate ein Kursplus von über 60 Prozent bescherten: Ihre Monopolstellung auf vielen Strecken und das “langweilig” und herrlich beruhigende “Made in Germany”-Qualitätsimage. Doch ob die Lufthansa damit auch langfristig auf Steigflug bleiben wird?

Bruchpilot à la Airberlin…

Airberlin zeigt, wie’s nicht geht: die Billigairline steckt schon seit 2008 so tief in den Roten, dass ihr jetzt vielleicht sogar Vater Staat unter die Flügel greifen muss. Deutschlands zweitgrößter Airline fehlt ein “tragfähiges” Zukunftskonzept. Sie steht so schlecht da, dass jetzt sogar Großaktionär Etihad den Schleudersitz auslösen will: Die Araber planen den Verkauf ihrer 29,2 Prozent Airberlin-Anteile und was denkt ihr, welcher Aasgeier bereits über der sterbenden Beute kreist? Richtig: die Lufthansa.

…oder Ryanair-Highfly?

Der irische Preisbrecher ist in der Luftfahrtindustrie sowas wie Primark in der Modebranche: Ryanair ist billiger als billig und bietet Flüge zum Preis einer Jumbo-Pizza. Klar, dass die Maschinen bummvoll sind und sich CEO Michael O’Leary täglich seinen Jubo krault. Eine Bedrohung für die LH? Schon möglich, vielleicht aber auch nicht. Denn wer sagt, dass am Himmel kein Platz für zwei Hirsche ist? Primark hat es schließlich auch nicht geschafft, Zara und Co. aus dem Markt zu drängen, ganz im Gegenteil.

So ihr BUXies, jetzt sitzt ihr am Lufthansa-Knüppel: Rauf oder runter, welche Flugrichtung ist heute angesagt? Happy Trading!

Warum Apple Amazon und Google die Show stiehlt

Apple hat geliefert. Einen weiteren Pod. Die Endung mit den “drei Buchstaben” kennen wir zwar schon vom legendären “iPod”, doch auf der gestern eröffneten Entwicklerkonferenz WWDC betrat boerse.de-Champion Apple erstmals seit zwei Jahren Neuland: Ein smarter Lautsprecher namens HomePod soll die Produktpalette des iKonzerns erweitern.

“One last thing”…

Mit diesen Worten kündigte Apple-Chef Tim Cook die wahrscheinlich bedeutendste Produktpräsentation des Abends an. Wohl gewählt gegen Ende der Veranstaltung – für einen besseren dramaturgischen Effekt seiner Vorstellung. Der Applaus war Cook sicher, denn HomePod ist bei weitem das spannendste Gadget der neuen Äpfelchen-Ernte, wenn auch keine Innovation. Apple ist nicht der erste Hersteller intelligenter Speaker die aufs Wort gehorchen, Musik spielen, die Temperatur regeln und Fragen beantworten: Amazon und Google haben mit “Echo” und “Home” bereits ähnliche Geräte entwickelt, die ihren Besitzern dank intelligenter Spracherkennung das Leben erleichtern sollen.

Doch Apple wäre nicht Apple würde man sich mit einem einfachen “Nachmachprodukt” zufrieden geben. Nein, HomePod kann mehr! Genauer gesagt soll das Gerät die Musiknutzung zu Hause “revolutionieren” wie einst der iPod das Musikvergnügen unterwegs. Bis jetzt war Sonos der unangefochtene Marktführer raumfüllender und raumübergreifender Klänge, doch Apple’s Musikdose, die ihren Sound der Umgebung anpassen kann, soll selbst Bose Konkurrenz bieten können. Keine Frage: HomePod kommt spät, ist teurer als die Konkurrenzprodukte, hat aber dennoch das Potential, Amazon und Google zu übertönen. Sowohl technisch, als auch optisch.

… auf das die Welt gewartet hat?

Aber brauchen wir das wirklich? Wollen wir einen Lautsprecher-Kameraden im Wohnzimmer, der uns zuhört und wie Kritiker munkeln vielleicht sogar abhört? Zweifel an der Datensicherheit, die schon bei Amazons Spracherkennung “Alexa” laut wurden, sind ja auch nicht von der Hand zu weisen. Schließlich könnte der Lautsprecher auch als Empfangsgerät dienen und Apple zum “Big Brother”-Konzern werden lassen, der unser komplettes, häusliches Leben mitschneidet. Vermutlich werden die Vorteile intelligenter, auf Datensicherheit bedachter, “Home”-Lösungen aber dennoch überwiegen und in naher Zukunft in den meisten Haushalten eine Selbstverständlichkeit sein. Das hat Apple uns mit Produkten wie dem iPod und iPhone ja schon eindrucksvoll bewiesen.

(Zu) große Erwartungen

Apple Fans und Aktionäre sind schwer zu begeistern. Trotz zahlreicher weiterer Neuerungen wie einem frisch designten iPad, dem neuen iMac Pro und iOS 11 verlor der Aktienkurs des iKonzerns gestern rund ein Prozent. Unfair, schließlich hat Apple ein wahres Feuerwerk an Produktneuerungen vorgestellt, das für jeden etwas bereithält. Doch scheinbar überwiegen die Sorgen der Anleger, ob Apple sich endlich von seiner iPhone-Abhängigkeit befreien kann. Aber ist das überhaupt nötig? Die Smartphone-Sparte des Technologiekonzerns machte im abgelaufenen Quartal mit 33,25 Milliarden Dollar mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtkonzern sitzt inzwischen auf einem Gewinnberg von 256 Milliarden Dollar, die Apple-Aktie eilt von einem Rekordhoch zum nächsten und beglückte Investoren in den vergangenen zwölf Monaten mit rund 59 Prozent Rendite. Wie bei jedem erfolgreichen Unternehmen ist das Lager der “Experten” zweigeteilt: Apple-Fans versus Apple-Kritiker. Trotz allen Diskussionen sollten wir eines nicht vergessen: der boerse.de-Champion weiß, wie man Kunden begeistert. Eine Gabe, die sich für Apple und seine Aktionäre vermutlich noch lange bezahlt machen wird.  

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

 

 

Fielmann: Mit diesem Champion können Sie Kasse machen!

glasses-2211445_960_720Aktie? Fielmann! Das wäre doch auch ein schöner Slogan für unseren boerse.de-Top-Defensiv-Champion, der seinem Namen alle Ehre macht. Seit Jahresanfang verbuchte die Aktie der Optikerkette stolze 15,8 Prozent Rendite. Eine Performance, die auch bei uns im Haus die Korken knallen lässt, denn Fielmann zählt schon seit … Jahren zu den boerse.de-Champions-Aktien, die im BCDI-Zertifikat und BCDI-Aktienfonds vertreten sind. Höchststände bei Fielmann sorgen deshalb auch für strahlende Augen bei unseren Fondsmanagern und natürlich den BCDI-Anlegern. Heute versammeln sich die Aktionäre zur Hauptversammlung in Hamburg. Eine gute Gelegenheit, einen Blick auf das Unternehmen zu werfen.

Günther Fielmann: Der Unternehmensgründer mit Durchblick

Während sich seine Manager in den Ruhestand verabschieden, bleibt der 77-jährige Patriarchat und Firmengründer Fielmann noch ein paar Jahre treu. Erst kürzlich erneuerte er seinen Vertrag bis 2020 und überlässt Sohn Marc (27) bis dahin lediglich das digitale Spielfeld. Fielmanns Thronfolger muss sich seine Sporen eben erst noch verdienen, so wie Vater Günther es in den 70er-Jahren vorgemacht hat. Damals revolutionierte Fielmann mit seinem Filialsystem, günstigen Gestellen und Gläsern die gesamte Optikerbranche und sicherte sich mit dieser Strategie den höchsten Marktanteil. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert: Auch 2016 behauptete Fielmann einen Absatzmarktanteil von 53 Prozent und einen Umsatzmarktanteil von 21 Prozent für sich und gilt in der Branche als europäischer Marktführer.

Weitsicht macht sich bezahlt

Natürlich hat sich in den vergangenen 30 Jahren einiges verändert. Vor allem das Internet und die zunehmende Konkurrenz von Online-Händlern wie Mister Spex, Owl Optics oder Brille24 hat die Optiker-Branche umgekrempelt. Kunden bestellen neue Gläser und Gestelle mittlerweile lieber online als in den Ladengeschäften. Das spart Zeit und häufig auch Geld. Ein Trend, auf den auch Fielmann reagieren muss. Junior Marc, verantwortlich für die Marketingabteilung und digitale Entwicklung des Unternehmens, leitet ein internationales Forscherteam (“Fielmann Ventures”), das Technologien aufspüren soll, die die Branche in den kommenden Jahren verändern werden. Hoffnungsträger sind dabei Bestell-Apps und die Online-Zentrierung von Brillengläsern. Kunden müssten dann nicht mehr in die Filiale kommen, sondern könnten Augenabstand und Einschleifhöhe vom heimischen Schreibtisch aus bestimmen lassen.

Zahlen, die sich sehen lassen können

Auf der heutigen Hauptversammlung gab Fielmann bekannt, zum zwölften Mal in Folge die Dividende zu erhöhen. Anteilseigner sollen 1,80 Euro je Aktie erhalten, was einer Steigerung von drei Prozent entspricht. Satte Kursgewinne plus eine stattliche Dividende: Ein 1+1 gratis-Angebot, das Kunden und Aktionären gefällt. Fielmann kann sich aufgrund der positiven Quartalszahlen der vergangenen drei Monate ein paar Cent mehr Gewinnbeteiligung durchaus leisten: Von Januar bis März verkaufte das Unternehmen 1,95 Millionen Brillen (Vorjahr: 1,87 Millionen). Der Gewinn vor Steuern stieg auf 60,6 Millionen Euro (Vorjahr: 54,1 Millionen Euro) und der Quartalsüberschuss nahm auf 43,0 Millionen Euro (Vorjahr: 38,3 Millionen Euro) zu.

Und die Aktie? Die erreichte im April mit 76,48 Euro einen neuen Höchststand und trug mit ihrer Rendite zum Gesamterfolg des boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI) bei, in dem auch Fielmann vertreten ist. Hätten Sie vor drei Jahren in Fielmann investiert, so würde ihr Depot jetzt ein Plus von 37,8 Prozent verzeichnen. Hätten Sie sich dagegen für ein breiter gestreutes Investment wie den BCDI entschieden, in dem Fielmann zusammen mit neun anderen, besonders renditestarken und gleichzeitig risikoarmen Aktien gelistet ist, so könnten Sie sich jetzt sogar über einen Gewinn von 52 Prozent freuen! Eine langfristige Geldanlage, die sicher einen Blick wert ist…

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag,

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3M: Wie Sie mit Post-its richtig Geld verdienen können

post-it-notes-1284667_960_720Starten wir doch mal mit zwei Quizfragen in den Börsentag:

  1. Wie nennt man einen “Tageslichtprojektor” noch? Richtig: “Overheadprojektor”.
  2. Kennen Sie einen anderen Begriff für “Haftnotizen”? Genau: “Post-it”

Ihre Autorin ist nicht unter die Ratefüchse gegangen, sondern will Ihnen verdeutlichen, wie schnell sich Produktnamen zu Gattungsnamen entwickeln, die wir ganz selbstverständlich in unseren Wortschatz integrieren. Obwohl der Industriekonzern 3M (kurz für Minnesota Mining and Manufacturing) bei uns relativ unbekannt ist, sind dessen Produkte in aller Munde.

Ein Mischkonzern der Superlative

Der Multi-Technologiekonzern produziert neben Post-it und Scotch Kleber eine unglaubliche Bandbreite von rund 50.000 Produkten auf Basis von 25.000 Patenten und 47 Technologieplattformen, die in fast allen denkbaren Branchen zur Anwendung kommen: Medizin und Gesundheit, Luftfahrt, Marine und Automobil, Industrie, Handel und viele andere Märkte sind auf die Erzeugnisse und Dienste von 3M angewiesen. Diese unglaubliche Dominanz und das breite Spektrum unentbehrlicher Produkte erklärt auch den Unternehmenserfolg des 1902 gegründeten Konzerns, der sich stets weiterentwickelt. 3M investiert massiv in Forschung und Entwicklung und brachte beispielsweise erst kürzlich einen reflektierenden “Zauber-Stoff” auf den Markt, der bei Tageslicht tiefschwarz erscheint und nachts bei Beleuchtung hell erstrahlt. Eine Innovation, die die Activewear-Modeindustrie revolutionieren könnte.

Der boerse.de-Champion zählt seit 1976 zum Eliteclub der Dow-Jones-Aktien und ist momentan das schwergewichtigste Mitglied der Familie. Sprich: das Unternehmen mit dem größten Einfluss auf die Index-Entwicklung. 3M hat mit einer Gewichtung von 6,07 Prozent und einer Durchschnittsrendite von über 9 Prozent pro Jahr seit 2007 mehr “Macht” im Dow als beispielsweise Microsoft oder IBM.

Der Champion auf Erfolgskurs

Marktmacht allein zeichnet aber noch keinen Champion aus. Die Erfolgsformel bestehend aus überdurchschnittlicher Kursentwicklung, unterdurchschnittlichem Risiko gepaart mit dem Fokus auf die krisenresistente Konsumgüterindustrie machen 3M zur boerse.de-Champions-Aktie  – einem Wertpapier, an dem ich noch lange “kleben” werde. Und das, obwohl die Welt der Haftmittel wesentlich weniger glamourös ist, als die der Hightech-Werte (Apple, Google..) oder Modeindustrie (Inditex, H&M…). Im Fall der drei “M” sind es nicht unbedingt die Produkte, sondern die Zahlenwerke, die begeistern.

Der Aktienkurs des Unternehmens stieg in den vergangenen zehn Jahren von 65 Euro auf rund 176 Euro pro Anteilsschein und hat sich damit fast verdreifacht. 3M erwirtschaftete 2016 einen Nettoertrag von 5,06 Milliarden Dollar nach 4,83 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. Genug Rücklagen, um Investoren ein Stück vom Kuchen abzugeben: der Mischkonzern, der seit über 100 Jahren ununterbrochen Dividenden zahlt, wird seine Anleger im zweiten Quartal 2017 mit einer Gewinnbeteiligung von 1,17 Dollar pro Anteilsschein belohnen. Hochgerechnet aufs Gesamtjahr werden sogar ganze 4,7 Dollar ausgeschüttet – sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch die Zukunftsaussichten des US-Unternehmens aus Minnesota sind so vielversprechend, dass 3M im April die Jahresprognose anhob. Der Umsatz soll 2017 aus eigener Kraft zwischen zwei und fünf Prozent zulegen und fällt damit vermutlich deutlich höher aus, als die ein bis drei Prozent, die vorher im Plan standen.

3M mag zwar als “langweiliger” Industriekonzern gelten, doch eine jahrzehntelange, erfolgreiche Börsenhistorie gepaart mit dem Willen, innovative Produkte zu entwickeln und diese mit hoher Marge zu verkaufen, machen “MMM” zu einem Wert, der länger im Depot “haften” bleiben darf, als ein Post-it auf der Kühlschranktür. Wenn Sie mehr über unsere 100 Champions-Aktien, zu denen auch 3M zählt, erfahren möchten, dann sichern Sie sich noch heute Ihre boerse.de-Aktienbrief-Gratisausgabe. Mehr wissen lohnt sich!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

BMW: Die Richtung stimmt – auch ohne Lenkrad

bmw-1845793_960_720Eine Studie rettet heute die Nachrichten-Wetterlage rund um BMW: Während ein Tiefdruckgebiet namens “Produktionsstopp” den Münchner Himmel verdunkelt, sorgt eine Meldung, wonach BMW der profitabelste Autobauer weltweit ist, für gelegentliche Aufheiterungen. Die Frage ist nur: Welche Neuigkeit wird das Stimmungsbarometer der Aktionäre beeinflussen?

BMW auf der Pole-Position

Good news first: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young erkämpfte sich BMW im ersten Quartal mit 11,3 Prozent Marge die Führungsposition in Sachen Profitabilität. Auf Rang drei und vier verkehren Daimler mit 10,3 Prozent und VW mit 7,8 Prozent. Die Silbermedaille sicherte sich diesmal allerdings kein deutscher Autohersteller, sondern ein japanischer Außenseiter: Suzuki. Nebenbuhler Toyota ist zwar immer noch die weltweite Nummer eins in Absatz und Umsatz, doch Suzuki produziert ertragreicher.

Auch in Sachen Gewinnentwicklung schalteten die deutschen Top 3 einen Gang rauf. Die Unternehmensberatung attestierte Daimler, VW und BMW einen deutlichen Gewinnsprung von in Summe acht auf elf Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die japanischen Autobauer legten nur um drei Prozent zu, die US-Konzerne verzeichneten sogar einen Gewinnrückgang von sieben Prozent.

Schwingt in Trumps Aussage, wonach deutsche Autohersteller zu viele Fahrzeuge in den USA verkaufen und Amerikanern die Arbeitsplätze “stehlen” also doch ein Funken Wahrheit mit? Nein, ganz im Gegenteil. Laut Zahlen des Branchenverbands VDA wurden 2016 in den Vereinigten Staaten rund 17,5 Millionen PKWs und leichte Nutzfahrzeuge verkauft wobei BMW, Daimler, VW & Co. nur 1,33 Millionen absetzten. Ein Marktanteil von nur sieben Prozent. Deutsche Hersteller produzieren zwar viele Neuwagen in den USA, verkaufen sie jedoch von dort aus in andere Länder und schaffen auf diese Weise weit mehr Arbeitsplätze in Amerika, als sie “vernichten”.

Däumchen drehen in München

BMWs profitable Produktion könnte allerdings einen leichten Dämpfer bekommen. Schon seit vergangener Woche kämpft der Autohersteller mit Lieferengpässen für ein unentbehrliches Teil seiner Lenkgetriebe. Bis auf weiteres läuft die Produktion in Südafrika, China, Leipzig und München deshalb nur auf halben Touren. Das kostet Nerven, Zeit und damit auch Geld. Während BMW-Mitarbeiter die Zwangspause nutzen, um an der Isar zu liegen, Überstunden abzugrillen oder Wartungsarbeiten durchzuführen, versucht ein internes Sondereinsatzkommando die Bänder schnellstmöglich wieder zum Laufen zu bringen. Eine schwierige Mission, zumal der zuständige Lieferant Bosch einer nicht genannten, italienischen Firma, die die fragile Logistikkette unterbrochen haben soll, die Schuld in die Schuhe schiebt.

Ein Produktionsstopp von ein paar Tagen ist nicht so dramatisch und kann schnell wieder aufgeholt werden. Sollte der Ausfall jedoch länger dauern, so würde der Rückstand zusätzliche Kosten verursachen, die die gefeierte Marge des Autoherstellers schmälern könnte. Momentan steuert BMW allerdings noch auf einem zuversichtlichen Kurs: Die Produktionsengpässe dürften bald behoben sein, Kundenlieferungen werden nicht beeinträchtigt und auch die Aktionäre bekunden der BMW-Aktie mit kaum merklichen Kursbewegungen ihr Vertrauen.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

 

 

Vonovia: Wer hoch baut, kann tief fallen?

19_Preview_UnternehmensfotosWohnungskonzern Vonovia präsentiert morgen Bilanzzahlen der vergangenen drei Monate. Ein spannendes Thema, das mich als erblich vorbelasteter Immobilien-Fan und Wahl-Münchner besonders interessiert. Vor allem in Ballungszentren ist der Immobilienmarkt schon seit Jahren so überhitzt, dass es äußerst schwierig und teuer ist, überhaupt eine angemessene Bleibe zu finden. Gepaart mit dem andauernden Niedrigzinsumfeld befürchten Experten deshalb eine “Immobilienblase”, die Unternehmen wie Vonovia noch reicher und Mieter ärmer machen könnte.

Luftschlösser…

Der Dax-Newcomer, der erst seit 2015 zur elitären Familie der deutschen Top-30-Unternehmen zählt, hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Performance hingelegt. Anleger, die die Vonovia-Aktie am Tag ihres Börsendebüts am 11. Juli 2013 erwarben, freuen sich heute über eine Rendite von 95,7 Prozent. Da bekommt der Ausdruck “Betongold” eine ganz neue Bedeutung…

Vonovias Fundament besteht aus bundesweit rund 340.000 Mietwohnungen, vor allem in Großstädten wie Berlin, Dresden oder dem Ruhrgebiet. Der bochumer Konzern erwirtschaftete 2016 ein Ergebnis von 2,3 Milliarden Euro dreimal so viel wie im Jahr zuvor. Eigentlich eine gute Sache, wenn es in Zeiten von Wohnungsnot ein Dax-Unternehmen gibt, das so erfolgreich mit Immobilien wirtschaftet, oder? Nicht ganz. Denn Vonovias Erfolg beruht vor allem auf der geschickten Vermarktung ehemaliger Sozial- und Arbeiterwohnungen und nicht auf der Schaffung von neuem Wohnraum. Die Konsequenz: Das Unternehmen wächst, das Angebot auf dem Wohnungsmarkt stagniert.

Des einen Freud, des anderen Leid. Auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Wohungskonzern vergangene Woche wurde die Kontroversität der Parteien besonders deutlich. Während Aktionäre, die Vonovia als reine Geldanlage betrachten, Konzernchef Rolf Buch zujubelten, machten Anteilseigner, die gleichzeitig Vonovia-Mieter waren, ihrem Ärger Luft.

Die goldene Kuh lässt sich nämlich nur melken, solange Vonovia die Mieten erhöhen kann. Zum Beispiel nach Modernisierungen. Mieter werfen dem Unternehmen auch vor, von “Zusatzleistungen” wie der Vermietung von Küchen, Kosten für zweifelhafte “Müllmanager”, die auf die Bewohner umgelegt werden und intransparenten Nebenkostenabrechnungen zu profitieren, anstatt dringende Sanierungsarbeiten durchzuführen.

…vom Einsturz bedroht

Vonovias umstrittenes Erfolgsmodell könnte in den kommenden Jahren ins Wanken geraten. Zum einen, weil sich die Europäische Zentralbank langsam aber sicher an die längst überfällige Zinserhöhung wagt, die Darlehen für Unternehmen und Privatanleger wieder teurer machen würde. Zum anderen, weil die Immobilien-Nachfrage aufgrund der höheren Zinsen zurückgehen könnte. Weiteres Unheil droht von Seiten der Politik: Der Staat könnte zukünftig Mieterhöhungen nach Modernisierungsmaßnahmen reglementieren oder mit Hilfe der sogenannten “Mietpreisbremse” unangemessenen Mieterhöhungen in Ballungszentren wie Berlin oder Dresden einen Riegel vorschieben. Beide Maßnahmen würden das Erlösmodell von Vonovia erheblich beeinträchtigen und machen die Aktie des Wohnungsunternehmens zu einem riskanten Investment.

Ein Profil, mit dem sich Vonovia sicher nicht als Champions-Aktie qualifiziert. Sie schlafen vermutlich ruhiger, wenn Sie Ihr Kapital in die eigenen vier Wände, statt in Immobilien-Unternehmen mit fragwürdigen Geschäftsmodellen investieren. Gepaart mit einem aktienbasierten Grundlagen-Investment wie dem boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI) steht Ihre langfristige Vermögensplanung auf einem soliden Fundament, das etwas Gegenwind von Seiten der Banken oder Politik leicht vertragen kann.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

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RWE: Energieriese back on stage

Rosa Hase
Merle WasmuthErinnert ihr euch noch an den trommelnden, rosa Duracell-Hasen? Der Bunny mit der alkaline Batterie im Bein hält entscheidend länger durch als seine Kumpels, die schon nach ein paar Takten schlapp machen. So ähnlich gehts momentan auch RWE, dem Energieriesen, der seit Freitag die Börse rockt. Während seine Mitstreiter Eon und EnBW eher in der Horizontalen dümpeln, gibt RWE so richtig Stoff.

Energyboost

Zum Wochenausklang standen 5,4 Prozent Plus aufm Ticker, heute legt RWE nochmal 1,6 Prozent drauf. Was geht im Ruhrpott? Der Energieversorger profitiert von gleich zwei guten Nachrichten: Am Freitag gabs Getuschel über eine mögliche Allianz zwischen RWE und dem französischen Konkurrenten Engie und heute strich ein gewisser Adam Dickens, Aktien-Analyst bei HSBC, RWE von seiner Verkaufsliste. Besser noch: Er erhöhte das Kursziel des Energieriesen von 13,40 auf 17,20 Euro. Fast schon ein Ritterschlag und ein deutliches Signal für Investoren: Kaufen, das Ding!

Tête-à-Tête

Die – pssst! – vertraulichen Gespräche zwischen RWE und Engie sind so vertraulich, dass sie nicht mal stattfinden. Insidern zufolge erwägen die beiden Stromversorger zwar eine deutsch-französische Melange, tauschen sich darüber allerdings bislang nur mit ihren Beratern und Banken aus. Ein Rendezvous fand – angeblich – noch nicht statt. Die Anleger geraten aber schon mal ins Schwärmen und befördern RWE in die Pluszone. Der Energieversorger könnte einen Teil seiner Ökostromtochter Innogy an die Franzosen abgeben und würde im Gegenzug Engie-Anteile erhalten. Ob RWE mit diesem Tauschgeschäft unterm Strich mehr Rendite macht, ist allerdings fraglich.

Fakt ist aber, dass RWE sowas wie der Robbie Williams unter den Stromanbietern ist. Die Aktie des Energieversorgers gewann nach jahrelangem Entzug seit Januar rund 43 Prozent an Wert und ist damit schon jetzt eine der Comeback-Aktien 2017. Eigentlich total irrational, denn trotz leicht steigender Strompreise handelt RWE mit dem Auslaufprodukt “Schmutz-Strom” aus Kohle- und Atomkraftwerken, das der Energiewende zum Opfer fallen wird. Die Einnahmen sind rückläufig, der Aktienkurs steigt trotzdem… Happy Trading aber: vorsicht beim VoRWEg gehen!

 

Börsen-Indikatoren: Was High-Heels, Miniröcke und die Sotheby’s Aktie über die Finanzmärkte sagen

girl-925410_960_720Wir Börsianer sind doch immer auf der Suche nach dem Wirtschaftsorakel, das uns möglichst schnell und zuverlässig Aufschluss über die zukünftige, konjunkturelle Entwicklung gibt. Droht die nächste Krise oder dürfen wir der gegenwärtigen Aktien-Hausse noch ein Weilchen trauen?

Dabei verhält sich mancher Marktteilnehmer wie ein verschmähter Liebhaber: Er sucht nach Gründen und Indizien, die für oder gegen die Zuneigung seiner Angebeteten sprechen könnten. Handleser, Astrologen, Gänseblümchen… alle möglichen Ratgeber werden auf der Suche nach einer Antwort konsultiert. Da es für die Prognose von Börsenkursen weder passende Blumen, noch verlässliche, esoterische Berufsgruppen gibt, mühen wir uns mit semiprofessionellen Indikatoren, die äußerst amüsant und zeitweise sogar zutreffend sind. Also, sehen wir sie uns einmal näher an, die mystischen Börsenorakel…

Minirock vs. High-Heels

Weibliche Attribute sprechen eine Sprache, für die die (meist männlichen) Börsianer offensichtlich ein sehr feines Gehör haben. Warum sonst gibt es keine Bartlängen-, Bildschirmgrößen-, oder Bierverbrauch-Indikatoren?

Der Ökonom Georg Taylor veröffentlichte deshalb nach umfassenden Studien in den 20er-Jahren die “Rocksaumtheorie”. Ihr zufolge gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Florieren der Wirtschaft und der Länge der Röcke bzw. Kleider. Je größer das Wachstum, desto kleiner der Stoff, könnte man sagen. Taylor zog daraus den Schluss, dass auf Wohlstand Optimismus und Risikofreude folgen. Seine inspirierende These wurde sogar vom National Bureau of Economic Research validiert und siehe da: Die Datenanalyse zeigt, dass die Rocklänge tatsächlich auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung reagiert allerdings mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu drei Jahren.

Ein Blick auf die Terrasse des Eiscafés verrät: Die rocklängenbasierte Wirtschaftsprognose gestaltet sich diesen Sommer schwierig. Vom Mini über Bleistiftrock bis hin zum knöchellangen Kleid ist alles vertreten. Also auf zum nächsten Indikator: dem Schuhwerk.

Was viele gerne sehen würden (Mini + High-Heels) ist sowohl out, also auch ein wirtschaftlicher Widerspruch. Kurze Röcke deuten auf einen Wirtschaftsaufschwung, hohe Absätze dagegen auf konjunkturelle Krisenstimmung. Der “High-Heel-Index” besagt nämlich, dass Frauen sich ein umso gewagteres Styling und höhere Stöckelschuhe gönnen, je trüber die Stimmung an den Märkten ist. Auch in diesem Punkt herrscht Unstimmigkeit unter der weiblichen Fokusgruppe: Diesen Sommer geht alles von Ballerinas über Sneakers bis hin zu Stilettos. Bleibt uns noch die Flucht in die Welt der Kunst…

Kunst-Kurven

Der Aktie von Sotheby’s wird ein untrüglicher Riecher unterstellt. Während das Investieren in Kunst eine sehr spekulative Angelegenheit ist, fungiert der Kursverlauf des Auktionshauses als verlässlicher Indikator für Blasen am Finanzmarkt. Er hat die großen drei Einbrüche der vergangenen Jahrzehnte vorhergesagt und funktioniert nach einem logischen Prinzip: Wenn die Leute zu Beginn einer Hausse anfangen, im Geld zu schwimmen, wissen sie oft erst nicht, wohin damit. Bis sie auf die Kunst stoßen. Dann kann es zu einem spektakulären Boom kommen und der Sotheby’s Aktienkurs steigt. Wenn jedoch die Konjunktur und damit die Stimmung der Kaufkräftigen beginnt zu kippen, sparen sie zuallererst an Statussymbolen. Gemälde, Schmuck und Skulpturen verlieren an Bedeutung, der Sotheby`s-Kurs fällt.

Vertraut man dem Kunst-Orakel, so stehen momentan noch alle Zeichen auf “Grün”: Die Kurs-Kurve zeigt steil nach oben, die Unternehmenskennzahlen entwickeln sich erfreulich und erst gestern wechselte ein spektakuläres Kunstobjekt den Besitzer: die teuersten Diamantohrringe der Welt (57 Millionen Dollar).

Liebe Leserinnen und Leser, die Börse wird auch als “größtes Spiel der Welt” bezeichnet und dazu gehören natürlich allerlei Strategien und “Kniffe”, mit denen Könner versuchen, ihre Gewinnchancen zu maximieren. Sehr unterhaltsam aber nicht “überlebensnotwendig”, denn langfristig lassen auch Miniröcke die Märkte kalt. Was zählt, ist die Laufrichtung: aufwärts. Im Mittel gewinnen Dax und Dow jährlich 9 Prozent an Wert, seit Jahresbeginn brachten es Dax und BCDI sogar auf eine Rendite von 11,5 bzw. 11,6 Prozent. Zahlen, die eine deutlichere Sprache sprechen, als jeder Indikator…

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende,

Ihre Miss boerse.de

Snapchat: Eine Aktie auf Geisterbahn-Fahrt

snapchat-2123517_960_720Wie heißt es doch so schön? “Schadenfreude ist die schönste Freude”. Eigentlich kein sehr rühmliches Verhalten denn das Belächeln des Unglücks anderer hat immer einen bitteren Beigeschmack. Doch heute mache ich mal eine Ausnahme: Die Snapchat-Aktie verlor gestern 24 Prozent an Wert und ich schadenfreue mich “Hab ichs nicht gewusst!”. Schon kurz nach dem Börsengang der Chat-App mutmaßten wir, dass sich die Kursgewinne des Senkrechtstarters aufgrund der mangelhaften Monetarisierungs-Strategie geisterhaft schnell in Luft auflösen könnten.

Und tatsächlich: Nach einem fulminanten Börsendebüt Anfang März, bei dem die mehrfach überzeichnete Snap-Aktie zum Ausgabepreis von 17 Dollar innerhalb weniger Minuten um 44 Prozent in die Höhe schnellte, verließen sie gestern alle guten Geister. Enttäuschte Anleger bestraften den Betreiber der Foto-App für das vorgelegte Zahlenwerk und beförderten Snapchat gestern praktisch auf das Niveau des Ausgabepreises.

Quartalszahlen enttäuschen

Das hätte sich Firmengründer Evan Spiegel anders vorgestellt. Beim Quartalszahlen-Debüt überzeugte sein junges Unternehmen die Investoren in keiner einzigen Messzahl. Zwar erreichte Snapchat in den vergangenen drei Monaten ein Umsatzwachstum von 39 Prozent auf 149,7 Millionen Dollar, doch erstens hatten Analysten im Vorfeld mit 158 Millionen Dollar gerechnet und zweitens wurde das Wachstum teuer erkauft. Unterm Strich steht ein Nettoverlust von 2,2 Milliarden Dollar nach “nur” 104 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Ein schwacher Trost: Der Verlust liegt überwiegend an den Aktienoptionen, die sich Snapchat-Mitarbeiter im Zuge des Börsengangs gönnten. Allein Evan Spiegel erhielt für den IPO seines “One Trick Ponies” einen Sonderbonus von 750 Millionen Dollar.

Für dieses “Taschengeld” darf er jetzt ordentlich arbeiten – das ist er seinen Anlegern schuldig. Seine erste Baustelle ist vermutlich das träge Nutzerwachstum der Chat-App, die sich zum Ziel gesetzt hat, sowas wie das nächste Facebook zu werden aber keinesfalls zu einem erfolglosen Twitter oder Yahoo zu verkommen. Nutzer sind für Werbetreibende bares Geld wert. Je besser sie die kaufkräftige Zielgruppe der “Millennials” erreichen können, desto besser funktioniert das Anzeigengeschäft. Snapchats User-Wachstum bleibt mit nur 8 Millionen neuen Nutzern in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurück. Das kann zum einen daran liegen, dass der “Hype” rund um die Foto-App, deren Bilder und Videos sich nach kurzer Zeit selbst “zerstören”, langsam abflaut. Zum anderen entwickelt sich Snap’s größter Konkurrent Facebook zu einem extrem talentierten Copycat.

Wer hat Angst vorm Zuckerberg?

Seit Facebook damit anfing, erfolgreiche Snapchat-Elemente wie “Stories” (von Usern erstellte Geschichten) und diversen Fotobearbeitungs-Schnickschnack auf seinen eigenen Plattformen Messenger und Instagram anzubieten, knickten bei Snap die Nutzerzahlen ein. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Branchen-Neuling mit nicht mal 200 Millionen Usern auf Dauer gegen einen kampflustigen “Goliath” wie Facebook mit fast zwei Milliarden Kunden durchsetzen kann.

Geschäftsmodell: Verzweifelt gesucht

Die Frage, die sich Evan Spiegel jetzt vermutlich stellt ist: Wie kann Snapchat Geld verdienen und gleichzeitig Facebook Paroli bieten? Einer seiner Pläne ist äußerst riskant. Spiegel eliminierte das einzige Alleinstellungsmerkmal seiner App: Selbstzerstörende Nachrichten. Stattdessen können Anwender Bilder und Videos jetzt auch beliebig lange in der App “stehen” lassen. Stellen Sie sich vor, Tesla würde plötzlich dazu übergehen, auch Benziner zu bauen, weil der E-Auto-Pionier davon mehr verkaufen könnte. Die Magie der Marke wäre auf einen Schlag vernichtet. Ähnlich könnte es Snapchat ergehen, sollte Evan Spiegel ihr den “geisterhaften” Charakter rauben.

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: Das Anzeigengeschäft steckt noch in den Kinderschuhen und sollte schon bald dafür sorgen, dass Snapchat seine Nutzer besser vermarkten kann. Zudem machen Gerüchte die Runde, wonach der Börsenneuling ein attraktiver Übernahmekandidat für Medienkonzerne wie Disney sein könnte.

Sie sehen schon, liebe Leserinnen und Leser, die Snapchat-Story ist ungemein spannend aber gleichzeitig hoch spekulativ. Wenn Sie sich lieber in ruhigerem Fahrwasser bewegen und Ihr Kapital nicht “hippen” Börsen-Newcomern anvertrauen möchten, die sich als Eintagsfliegen entpuppen könnten, so empfehle ich Ihnen einen Blick auf unseren BCDI. Der boerse.de-Champions-Defensiv-Index ist ein langfristiges Investment bestehend aus zehn besonders risikoarmen, renditestarken Aktien, mit denen Sie bestimmt ruhigere Nächte haben, als die Snapchat-Anleger.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de