Commerzbank: Eine starke Bilanz, aber…

frankfurt-am-main-germany-2867908_960_720Die Commerzbank-Aktie zählt heute mit einem Plus von rund zwei Prozent zu Handelsbeginn zu den Gewinnern des Tages. Viele Investoren feiern die Rückkehr des Geldinstituts in die schwarzen Zahlen: Nach einem Verlust von 288 Millionen Euro im Vorjahr steht jetzt ein Plus von 472 Millionen Euro auf dem Commerzbank-Konto. Auf den ersten Blick ein Top-Ergebnis, doch der schöne Schein trügt…

Sondereffekte verschönern Bilanz

Wer ein bisschen tiefer in die Zahlen des Dax-Konzerns eintaucht und sich nicht mit vielversprechenden “Headlines” begnügt, wird schnell feststellen, dass das Geldinstitut vor allem aufgrund sogenannter “Sondereffekte” blendend verdiente. Darunter verstehen die Finanzfachleute außerordentliche, in der Regel einmalige, Aufwendungen oder Erträge. Die Commerzbank konnte ihre Q3-Bilanz “aufhübschen”, indem sie beispielsweise die Frankfurter Konzernzentrale “Commerzbank Towers” für geschätzte 620 Millionen verkaufte, ihre Beteiligung am Kartendienstleister Concardis veräußerte und ein Gemeinschaftsunternehmen für Ratenkredite mit der BNP Paribas auflöste.

Unterm Strich trugen diese kleinen Extras fast eine halbe Milliarde Euro zum Gesamtergebnis der Commerzbank bei. Ohne Sondereffekte, die das Resultat “aufpumpen” wäre die Bilanz des Geldinstitutes dagegen eher spärlich ausgefallen.

Geldquelle gesucht

Da Sondereinflüsse einmaliger Natur sind, benötigen die Frankfurter neue, dauerhafte Erlösmodelle. Keine leichte Aufgabe in Zeiten ultra-niedriger Zinsen, zunehmend starkem Wettbewerb durch “FinTech”-Dienstleister und flauen Kapitalmarkt-Erträgen. So sank das Zins- und Handelsergebnis um 4,1 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Umdenken ist angesagt! Um dem stetigen Erlösschwund entgegenzuwirken, plant die Coba umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen – teils mit guten Erfolgen.

Zum Beispiel beim Problemkind Schiffskredite. Jahrelang hatte die Commerzbank im großen Stil Kredite für neue Frachtschiffe gewährt. Steigende Überkapazitäten und fallende Frachtraten hatten jedoch viele Reedereien in Schieflage gebracht und zum Ausfall zahlreicher Schuldner geführt. Der Abbau der Problemkredite steht deshalb ganz oben auf der Coba-ToDo-Liste und scheint sich bereits bezahlt zu machen: In den ersten neun Monaten des Jahres wurde das zum Kentern verurteilte Schiffsportfolio um 1,5 Milliarden Euro reduziert und lag Ende September noch bei 3,3 Milliarden Euro. Bis zum Ende des Jahres sollen es 3 Milliarden Euro sein.

Fusions-Fantasien

Gefallen finden die Börsianer auch an den stets wiederkehrenden Übernahme-Spekulationen rund um die Commerzbank, die jedoch am größten Aktionär der Frankfurter scheitern könnten: dem deutschen Staat. Seit der Finanzkrise ist die Bundesrepublik mit 15 Prozent an der CoBa beteiligt und würde einer – vermutlich verlustbringenden – Veräußerung der zweitgrößten, deutschen Privatbank an ausländische Geldinstitute, wie BNP Paribas oder Crédit Agricole, nur ungern zustimmen. Neue Informationen zu eventuellen Übernahmen gab es aufgrund der ungewissen Sachlage heute dann auch nicht.

Geldinstitute verkehren momentan in schwerem Fahrwasser – mit oder ohne faulen Schiffskrediten im Schlepptau. Wenn Sie lieber auf Aktien mit starken Renditen statt schwachen Zinsen setzten, dann lesen Sie jetzt den gestern neu erschienenen boerse.de-Aktienbrief und profitieren auch Sie von den langfristig erfolgreichsten und sichersten Aktien der Welt!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

 

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Commerzbank: Eine starke Bilanz, aber…

3 Dinge, die du heute über die Katalonien-Krise wissen solltest

+++Referendum zu Kataloniens Unabhängigkeit lief um 10:00Uhr aus+++Carles Puigdemont drückt sich um Entscheidung+++Spanischer Aktienindex fällt knapp 1%+++

bb640b306c6878366709500d5f441e92027fd7e9“Ojalá”, was gesprochen ungefähr so klingt wie “Ochala” kommt nicht aus dem Bayerischen, sondern bedeutet auf Spanisch soviel wie “na hoffentlich!”. Ein Begriff, der im Wortschatz der träumerisch veranlagten Südländer keinesfalls fehlen darf und mit dem du heute wahrscheinlich jedes Buzzword-Bingo von Barcelona bis Berlin gewinnen würdest. Hoffentlich wird Katalonien unabhängig (wünschen sich die Separatisten), hoffentlich bleibt die Region spanisch (beten die Ökonomen). Doch warum der ganze Zauber rund um den Nord-Ost-Zipfel Spaniens, der etwa so groß ist wie Belgien?

1. Warum Katalonien ohne Madrid will

“Katalonien ist nicht Spanien” stand in den vergangenen Wochen auf vielen Demo-Plakaten zu lesen. Neben historischen Gründen gibt es auch in der Gegenwart ne Menge Dinge, die im Ferienparadies anders laufen, als im Rest Spaniens: Stierkampf ist verboten, Katalanisch ist tatsächlich eine eigene Sprache und kein spanischer Dialekt und in Barcelona tanzt man Sardana, nicht Flamenco. Daneben sprechen noch eine Reihe wirtschaftliche Gründe für eine Trennung Kataloniens vom Rest des Landes. Zum Beispiel, dass die Region viel mehr zur Wirtschaftsleistung Spaniens beiträgt, als der Rest der Nation (ungerecht!).

2. Ja, Nein, Jein!

Kataloniens Abhängigkeit von den vielen Großunternehmen und Touris, die die Region bevölkern, ist Ministerpräsident Puigdemont heute Morgen vermutlich zum Verhängnis geworden. Er bat kurz vor knapp um einen zweimonatigen Aufschub für die Entscheidung über Kataloniens Unabhängigkeit. Zu viele Unternehmen verabschieden sich schon jetzt aus der Krisenregion, Touristen schlürfen ihren Sangria lieber woanders und der K-Konflikt könnte das gesamte Land in die Rezession stürzen. Kein leichter Job für Carles, der praktisch mit dem Rücken zur Wand steht.

3. Wie geht’s jetzt weiter?

Tja, das ist das große Fragezeichen. Wahrscheinlich wird Madrid mit einem “Jein” überhaupt nicht happy sein und eine eindeutige Antwort fordern. Sonst könnte die spanische Regierung Puigdemont wegen verfassungswidrigen Verhalten auch ganz flott vom Thron stoßen und Neuwahlen ausrufen. To be continued!

¡Adios Amigos!

3 Dinge, die du heute über die Katalonien-Krise wissen solltest

Bitcoin: Heiße Gerüchte um Goldman Sachs

bitcoin-2730220_960_720Bitte ein Bit(coin)! Der – leicht abgewandelte – Werbeslogan ist momentan in aller Munde. Neben den Fans der Kryptowährung Bitcoin begeistern sich auch immer mehr institutionelle Anleger für digitale Währungen. Ein Trend, auf den jetzt auch die traditionsreiche Investmentbank Goldman Sachs reagiert. Beziehungsweise reagieren muss.

Wird Bitcoin jetzt seriös?

Anfang der Woche kursierte eine Meldung, wonach Goldman Sachs einen Einstieg in den Bitcoin-Handel erwägt. Die eher vage Stellungnahme der Großbank lautete: „Als Reaktion auf das Interesse von Kunden an digitalen Währungen, untersuchen wir, wie wir ihnen am besten in diesem Bereich dienen können.“ Ein Statement, das für mich eher nach Pflichterfüllung, als intrinsisch motiviertem Wunsch klingt. Allerdings regiert auch in der Bankenwelt das Gesetz von Angebot und Nachfrage und da immer mehr Investoren ein Stück vom Krypto-Kuchen abhaben wollen, kommt Goldman Sachs nicht darum herum, das begehrte Gut anzubieten.

Bitcoin, Ethereum und andere Cyberwährungen lösten in den vergangenen Monaten eine wahre Kauf-Hysterie aus, die schwer an die holländische Tulpenmanie von vor 380 Jahren erinnert. Kursgewinne von über 600 Prozent innerhalb der vergangenen 12 Monate, ein unreguliertes System, das keiner Bankenaufsicht unterliegt und die grenzenlose Gier vieler Anleger beflügeln das Krypto-Phänomen und bringen sogar Banken ins Grübeln: Handelt es sich bei Bitcoin & Co. um die Währung der Zukunft oder um eine Spielerei für Computerzocker?

Banken machen Feind zum Freund

Tatsächlich genießt Bitcoin nicht den besten Ruf. Die “Währung” ist – vereinfacht gesagt – ein von Computern erzeugter Datensatz, den Nutzer online miteinander austauschen oder digital in einem “Wallet” (virtuelle Geldbörse) speichern können. Ein wesentliches Kennzeichen aller Kryptowährungen ist ihre fehlende Regulierung. Keine Zentralbank, die über die Währung wacht, kein Finanzamt, das Bitcoin-Gewinne für sich beanspruchen kann. Alle Transaktionen sind völlig anonym und deshalb bestens zur steuerfreien Geldanlage, der Geldwäsche oder Abwicklung dubioser Internetgeschäfte geeignet. Zudem gelingt es Hackern immer wieder, Handelsplattformen zu “knacken” und Bitcoins in Millionenhöhe zu stehlen. Eine dubiose aber dennoch faszinierende, neue Währungs-Welt, die auch Banken anzuziehen scheint.

Eine Mischung aus Angst vor dem “großen Unbekannten” und Geldgier treibt Geldhäuser wie Goldman Sachs und sogar die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zum Einstieg in die Cyberwährung. Einerseits, weil das Thema “Digitalisierung” in der Bankenwelt immer wichtiger wird und Banken den bargeldlosen, schnellen Zahlungsverkehr vorantreiben müssen. Andererseits, weil traditionelle Geldinstitute in Zeiten der Nullzinsen auf der Suche nach neuen Einnahmequellen sind. Bitcoin könnte da eine willkommene Portfolio-Bereicherung darstellen. Nur über das “Wie” der Implementierung herrscht momentan noch Unklarheit. Goldman Sachs erwägt zwar die Einrichtung eines neuen Geschäftsbereiches, der den Handel mit Kryptowährungen im Kundenauftrag abwickeln könnte, ist sich aber auch darüber im Klaren, dass das negative “Darknet”- Image auf das Geldinstitut abfärben könnte.

Wer profitiert?

Während Banken noch darüber nachdenken, wie sie Bitcoin in ihr Tagesgeschäft integrieren können, verdienen sich Handelsplattformen wie Bitcoin Group schon jetzt eine goldene Nase. Die Bitcoin Group SE betreibt unter bitcoin.de eine der führenden, deutschen Trading-Plattformen, deren Erfolg oder Misserfolg direkt an den Erfolg der Cyberwährung gekoppelt ist. Parallel zur Bitcoin-Hausse gewann auch die Aktie der Bitcoin Group seit Jahresbeginn über 900 Prozent an Wert, musste aber in jüngster Zeit auch kräftige Rücksetzer aufgrund der stets schwankenden Nachrichtenlage hinnehmen. Mal prophezeien Insider das baldige Ende der Digitalwährung, mal stehen Bitcoin und Co. kurz vor dem Durchbruch zur etablierten Währung. Alles in allem bleiben sowohl Bitcoin als auch Bitcoin Group hochspekulative Investments, deren Zukunft selbst die gewieftesten Börsianern nicht vorhersehen können.

Bitcoin: Heiße Gerüchte um Goldman Sachs

Lufthansa greift sich Air Berlins Sahnestücke

bux.pngDas Dickschiff Deutsche Lufthansa schiebt sich heute mit einem geschmeidigen Plus von rund 1,5 Prozent an die Dax-Poleposition. Ich weiß, ich weiß, im Vergleich zu Bitcoin, Tesla, Netflix und anderen “Hot Stocks” hat die LH den Sexappeal einer Bundestagsabgeordneten, aber guckt euch mal diese Zahlen an!

1 Woche: + 2 %, 1 Monat: + 10 %, 6 Monate: + 53 %, 1 Jahr: +119 %

****, wäre ich bei der LH-Aktie doch schon vor ein paar Monaten eingestiegen! Doch noch gibts Hoffnung, BUXie. Insider munkeln nämlich, dass die Lufthansa noch für mehr kurstechnische Durchstarter gut sein könnte…
Miles & More
In Berlin wurde in den vergangenen Tagen nicht nur über die Zukunft der Bundesregierung entschieden, sondern auch über die der insolventen Air Berlin. Heute soll der Gläubigerausschuss – also die Leute, die die Insolvenz managen – beschließen, welche Übernahme-Interessenten im Bieterrennen bleiben und welche nicht. Eigentlich wollte die LH alle Flugzeuge, Strecken und rot-berockte Stewardessen an sich reißen, doch das fanden die Kartellbehörden nicht so dolle und beschlossen, die Torte zu teilen.
Schon am Donnerstag sickerte durch, dass vermutlich Lufthansa und Easyjet das Beste der Berliner abbekommen. Die LH casht sich zu einem Kaufpreis von rund 200 Millionen Euro etwa die Hälfte der Air Berlin-Flotte inklusive 3000 Mann Personal. Wie genau der Rest verteilt wird, entscheiden die Gläubiger bis 12. Oktober.
Bundesregierung spielt Buffett
150 Millionen investieren, elf Prozent Zinsen kassieren. Klingt nach einem Top-Deal, wie ihn sonst nur Finanzgenies wie Warren Buffett geregelt bekommen. Doch diesmal wird das Finanzamt zum Finanzguru: Weil die staatliche Förderbank Air Berlin 150 Millionen-Euro auf Pump gegeben hat, damit der Flugbetrieb trotz der Pleite weitergehen kann, macht Vater Staat beim Verkauf der Fluglinie jetzt ordentlich Kasse. Elf Prozent Zinsen plus eine Million “Bearbeitungsgebühr” spülen der deutschen Regierung angeblich sechsstellige Beträge in die Kasse..

Lufthansa greift sich Air Berlins Sahnestücke

Lufthansa vs. Wöhrl: Wer kriegt die Pleite-Airline Air Berlin?

dataretention-headerimage-v5Vom Modeunternehmer zum Airline-Besitzer: Das sind Ambitionen, die ich bislang höchstens Victoria Beckham, Boris Becker oder Donald Trump zugetraut hätte. Irrtum! Kein anderer als Hans Rudolf Wöhrl (69), seines Zeichens Modehausbesitzer, hat das Projekt “Fluglinie” auf seine Bucket-List gesetzt und gestern per Fax / Facebook 500 Millionen Euro für Air Berlin(solvent) geboten.

Warum auch nicht?

Beim Lesen der Pressemitteilungen werde ich das Gefühl nicht los, dass Hans Rudolf entweder ein genialer Greis ist, oder ein paar Trump-Gene intus hat. Am Sonntag erhöhte er sein Gebot von 1,00 Euro auf 500 Millionen Euro und facebookte: “Nein, wir wollen kein Schnäppchen machen, wir wollen keinen 1,00 € Deal”. Was will er dann? Wenig Airline für viel Geld? Hm.. weiter unten im Facebook-Post werden wir aufgeklärt: “Nein, wir wollen mein Versprechen einlösen, die wunderbare Air Berlin und die vielen Arbeitsplätze zu erhalten! (…) Wenn mir dies gelingen würde, dann wäre es das schönste Geschenk zu meinem 70. Geburtstag!“

*Heul*, so schön wie ein Rosamunde Pilcher Roman. Nur möglicherweise ohne Happy End, denn Wöhrl will nicht mal wissen, was er da kauft. Eigentlich bekommt jeder Bieter Einblick in die Geschäftszahlen der Pleite-Airline, doch Hans Rudolf hat den Antrag dafür nicht mal unterschrieben und ist somit quasi im Blindflug unterwegs.

Lufthansa: Nix “Deutscher Champion”?

Da die Bieterfrist noch bis Freitag dauert, haben Interessenten wie die Deutsche Lufthansa, Easyjet, TUI oder Condor jetzt noch ne Menge Zeit, um sich in Air Berlins Bilanz zu vertiefen und darüber nachzudenken, ob sie mit Wöhrl an Bord gehen wolle. Eines scheint nämlich schon jetzt klar zu sein: aufgrund von Wettbewerbsrichtlinien wird die LH Air Berlin wohl nicht als Ganzes schlucken dürfen, sondern nur einen Teil der Strecken, Maschinen und FlugbegleiterInnen. Sch…ade für unseren Bundesverkehrsminister, der die Lufthansa mit Steuergeldern so gerne zum “Deutschen Champion” gepäppelt hätte. Allein schon, um Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet so richtig eins reinzuwürgen.

Aber ein Stück vom Kuchen ist besser als gar nichts und so bereitete sich die LH schon jetzt strategisch auf eine Übernahme der Air Berlin-Rotkäppchen vor: die Vorkehrungen zur Personalübernahme laufen auf Hochtouren und auch die LH-Aktie drehte dick ins Plus: +12,70 Prozent innerhalb der vergangenen vier Wochen! Also machts wie Hans Rudolf: Ran an den Knüppel und fett mitbieten!

Happy Trading!

Lufthansa vs. Wöhrl: Wer kriegt die Pleite-Airline Air Berlin?

Air Berlin oder: das große Fressen

das-grosse-fressen-27945841-fee8-4136-8219-a8b4af7b4085Als Kind habe ich das immer in den Tierfilmen gesehen, die ich statt Mickey Mouse gucken “durfte”: Kaum liegt ein verletzter Vogel am Boden, schon kreisen die Aasgeier über der Beute-to-be. Grausam und kein bisschen besser für die zarte Kinderseele, als die Maus mit den großen Ohren. Aber gut, so ist das Leben eben und auch beim aktuellen “Ausschlachten” der insolventen Air Berlin gehts blutig zur Sache. Und das gleich auf mehreren Schauplätzen:

Wirtschaft

Kaum hatte Hauptgesellschafter Etihad vergangene Woche bei Air Berlin den Dollar-Zapfhahn zugedreht, schon nahmen die Fressfeinde die Fährte auf. Der Pleitegeier, der sich momentan nur mit einem 150 Millionen Euro-Kredit der Bundesregierung in der Luft halten kann, ist ein echter Leckerbissen für Konkurrenten wie die Lufthansa, Easyjet, TUIfly und ein paar andere. Strange, denn wer hat schon Bock auf so ein abgemagertes Opfer mit zuletzt 1,2 Milliarden Euro Schulden auf den Rippen?

Niemand. Außer, der Happen wird filetiert. Genau das passiert momentan mit Air Berlin: Die Rivalen wittern heißbegehrte “Slots”, also Start- und Landerechte, die Air Berlin hat. Dazu noch ein paar Flieger und natürlich rote Lindt-Schokoherzen (dazu gleich mehr). Doch wer letzten Endes zuschlagen darf, entscheidet vor allem die…

Politik

Als heißester Interessent wird momentan die Deutsche Lufthansa gehandelt. Das zeigte sich schon vergangenen Dienstag, als die Air Berlin-Pleite bekannt wurde und die LH-Aktie um über fünf Prozent nach oben preschte. Deutschlands größte Airline will noch mehr Marktanteile und Maschinen an sich reißen und ein nationaler “Champion” werden. Hey, nicht so schnell! Bevor ihr euch literweise Tomatensaft mit Schuss eintrichtert und die LH-Aktie hortet, gibt’s noch einen Battle zu gewinnen: Politik vs. EU-Kommission.

Während die Bundesregierung Lufthansa als “Champion” extrem heiß findet, sieht die EU ein Airline-Monopoly eher kritisch. Slots statt Schlossallee ist ja schön und gut, nur sollte die nicht ein Spieler allein bekommen. Zu groß die Gefahr der Markt-Macht, die Preise steigen und Innovation verhindern könnte. Vermutlich wird’s also so laufen, dass Air Berlin häppchenweise verteilt wird. An wen die besten Stücke gehen, entscheidet sich wohl schon in den nächsten Wochen.

…und ebay

Einstweilen verticken Air Berlin-Vielflieger ihre (wertlosen) Meilen auf ebay und Souvenirs für Flug-Nostalgiker werden zu Höchstpreisen gehandelt. Ihr habt noch ein ranziges Air Berlin-Schokoherz im Reisekoffer? Gratuliere! Der aktuelle Auktionspreis beläuft sich auf süße 222 Euro pro Stück.

PS: Zu dem Preis bekommt ihr auch zwölf Lufthansa-Aktien. Ohne Verfallsdatum.

Happy Trading!

Air Berlin oder: das große Fressen

Alibaba: Morgen kommt die Katze aus dem Sack

Chinese-Cat.jpgMensch, verdammt. Jetzt wollte ich als total ambitionierte Autorin Alibaba auch mal ausprobieren, bevor ich darüber schreibe. Doch was soll ich sagen? Die chinesische Handels *slash* Kommunikations *slash* Cloudplattform macht mir einen Praxistest echt nicht leicht.

Angefangen mit meinem vergeblichen Versuch auf alibaba.de (ein türkischer Joghurtgetränke-Hersteller) Kabel zu kaufen, bis hin zum, naja, langwierigen Shoppingerlebnis auf Alibabas aliexpress.com, machte Babas-Shoppingimperium auf mich einen eher exotischen Eindruck.

Alibaba muss liefern. Morgen.

Während ich bei aliexpress.com ganze 28-56 Tage auf mein “Lange Typ Telefonkabel rein” (oder schlicht und einfach: Telefonkabel) warten müsste, das dann kostenfrei im “ordinary Kleine Paket plus” aus China geshippt wird, muss Alibaba schon morgen liefern. Quartalszahlen – pünktlich und in Top-Qualität, versteht sich.

Die Erwartungen an den chinesischen Giganten mit über 50.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 22 Milliarden Dollar sind hoch. + 31 Prozent mehr Gewinn als im Vorjahreszeitraum, + 55 Prozent mehr Umsatz – das sind Promille, die sonst nur im Schnapsregal zu finden sind. Wenn der Online-Multi zahlentechnisch irgendwo darunter liegt, könnten die Profi-Trader in den SSV-Modus wechseln und das wars dann erstmal mit der Kursrakete!

Glückskekse

Chill: Wahrscheinlich hat Ex-Mathelehrer und Firmengründer Jack Ma alles richtig gemacht. Gut, Alibaba hat verdammt viel Verwechslungspotenzial mit Amazon, doch der Lucky-Mix aus Commerce, Cloud und Content ist einfach so hot wie die “3 Herrlichkeiten” auf dem Mittagsmenü meines Liefer-Chinesen.

Statistiken behaupten, dass die Anzahl chinesischer Onlineshopper im vergangenen Jahr um 41 Prozent zugenommen hat und Alibaba kräftig am E-Commerce-Trend im Land des Lächelns mitprofitieren wird. Eine Cloudplattform für virtuellen Speicherplatz und gehostete Software (AliYun), ein Filmstudio, diverse Shops sowie ein Payment-Provider tragen alle zu Alibabas zweistelligem Gewinnwachstum bei.

Die Aktie läuft im Gleichschritt mit: Allein in diesem Jahr stieg der Kurs der Baba-Aktie um 57 Prozent. Seit ihrem Mega-Börsengang 2014, der sogar noch fetter war als der von Facebook, gabs + 82,46 Prozent aufs Depot. Ich sage nur: Ab in den Warenkorb, die Ali-Aktie!

Alibaba: Morgen kommt die Katze aus dem Sack