ThyssenKrupp schmilzt das Stahlgeschäft ein

luck-castle-555819_960_720ThyssenKrupp ohne Stahl – das ist wie Beiersdorf ohne Nivea, wie Heinz ohne Ketchup. Ein gigantischer Traditionsbruch und die Abwende vom einstigen Kernprodukt. Doch der Strategieschwenk scheint unausweichlich. Medienberichten zufolge arbeitet ThyssenKrupp an der Abspaltung seines stählernen Kerns und bereitet die Fusion der Sparte mit dem indischen Rivalen Tata Steel vor. Börsianer wittern bereits Morgenluft im Ruhrpott: Gestern sprang die ThyssenKrupp-Aktie mit Plus 4,92 Prozent an die Dax-Spitze.

Schluss mit Stahl

Seit über einem Jahrhundert dreht sich bei den Essenern alles um das harte Eisen. Doch Geld verdient ThyssenKrupp mit seinem ehemaligen Brot-und-Butter-Geschäft schon seit Jahren nicht mehr. Chinesischer Billigstahl sabotiert die Marktpreise, sorgt für Überkapazitäten der deutschen Werke und eine unsichere Unternehmensperspektive. Lang genug hat Thyssen-Chef Heinrich Hiesinger Nerven aus Stahl bewiesen und an der defizitären Sparte festgehalten, doch das immerwährende Risiko von Marktschwankungen fordern ihren Tribut.

Hiesinger will sich nicht mit immer neuen Sparprogrammen knapp über Wasser halten, sondern seinen Konzern dauerhaft auf Erfolgskurs trimmen. Zum Beispiel durch den Ausbau zukunftsweisender Unternehmensbereiche wie Aufzüge, Komponenten für Autobauer und Industrieanlagen. Die Stahl-Altlasten sollen gänzlich aus der Bilanz von ThyssenKrupp verbannt werden, um mit “weißer Weste” von Vorne zu beginnen.

Indian Summer

Marktbeobachter rechnen damit, dass die Fusion zwischen Tata Steel und der Stahlsparte von ThyssenKrupp schon im Sommer in trockenen Tüchern ist. “Schon”? “Endlich” wäre vermutlich die passendere Wortwahl, denn die Verhandlungen mit den Indern sind seit fast einem Jahr im Gange. Ein Tauziehen, das den rund 27.000 Beschäftigten in Thyssens Stahl-Sparte schwer auf dem Magen schlägt, denn eine “Verschmelzung” mit Tata Steel würde den Verlust tausender Arbeitsplätze bedeuten. Über das Schicksal der Kumpels wird derzeit an Tata-Standorten in Mumbai, London und den Niederlanden verhandelt und Hiesinger plant noch im Juli ein Treffen mit Tata-Chef Natarajan Chandrasekaran um auszuloten, ob und wann der Deal über die Bühne geht.

Für die Stahlkocher besteht jedoch auch im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen mit Tata wenig Grund zur Hoffnung: Hiesinger kündigte bereits harte Sparmaßnahmen an und wird – sollte die Fusion mit Tata nicht zustande kommen – Ausschau nach einem neuen Kaufinteressenten halten.

10-Jahres-Chart der Thyssenkrupp-Aktie

Liebe Leserinnen und Leser, ein kurzfristiger Kursgewinn der ThyssenKrupp-Aktie sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Papier, das heute rund 25 Euro wert ist, vor zehn Jahren noch zum Preis von 44 Euro gehandelt wurde. Zwischenzeitlich mussten Anleger eine anstrengende Berg-und-Talfahrt “ihrer” Aktie ertragen, die ihnen Nerven aus Stahl abverlangte. Wenn Sie ruhiges Fahrwasser bevorzugen, dann sehen Sie sich doch mal den boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI) an. Unser Geburtstagskind feiert diese Woche sein Dreijähriges und überzeugt mit einer Performance von über 46 Prozent Plus seit dem Handelsstart am 1. Juli 2014. Happy Birthday!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

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ThyssenKrupp schmilzt das Stahlgeschäft ein

Der Wochenausblick: Sunny side up!

eggs-1694991_960_720So turbulent die vergangene Juniwoche war, so ruhig sind die Wetteraussichten für die ersten Juli-Tage. Ich will ja nicht gleich von “Sommerloch” sprechen, aber die Finanzagenda ist bis auf wenige potentiell kursbewegende Termine eher spärlich bestückt. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir den Märkten den Rücken kehren sollten, ganz im Gegenteil: oft ist es so, dass sich die größten Überraschungen dann ereignen, wenn niemand damit rechnet. Über die Geschehnisse der kommenden Tage verrate ich Ihnen jetzt mehr…damit Sie gut vorbereitet in die Woche starten.

Highlights vergangener Woche:

 

  • Kleines Dax-Sommertief

 

Ein Wochenverlust von 3,21 Prozent auf 12.325 Punkte sorgt bei kurzfristig orientierten Anlegern zwar für Verdruss, doch langfristig denkende Investoren und treue boerse.de-Leser dürfte so ein kleiner Dämpfer wohl kaum aus der Ruhe bringen, denn wir alle wissen: jede Korrektur wird aufgeholt und Dax und Dow Jones erwirtschaften im Mittel 9 Prozent Rendite pro Jahr. Sowohl die historische, als auch die gegenwärtige Kursentwicklung der Indizes liefert dafür den besten Beweis: Dax und Dow liegen momentan mit 7,35 Prozent bzw. 8 Prozent Rendite seit Januar fast gleich auf. Und das Jahr ist noch jung!

 

  • Vapiano und Delivery Hero

 

Zwei Newcomer, eine Branche. Vapiano (italienische Restaurantkette) und Delivery Hero (Essens-Lieferdienst) kommen aus dem Gastro-Segment und sind seit vergangener Woche im streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse gelistet. Noch ist es zu früh um darüber zu urteilen, ob die IPOs eine Erfolgsgeschichte werden. Doch eines ist jetzt schon klar: beide Foodie-Unternehmen konnten so richtig absahnen. Vapiano sammelte 184 Millionen ein, Delivery Hero genehmigte sich ganze 996 Millionen Euro. Ob sich diese Woche

 

  • Bayer bereitet Kopfschmerzen

 

Das Dax-Schwergewicht Bayer hätte vergangenen Freitag mindestens eine Aspirin vertragen können, denn der Chemie- und Pharamriese hing ganz schön in den Seilen. Eine Gewinnwarnung aufgrund des schwächelnden Brasilien-Geschäfts schockte die Bayer-Anleger, die die Aktie mit zeitweise Minus vier Prozent auf die Verkaufsliste setzten. Auch heute steht Bayer wieder im Mittelpunkt der Investoren, denn eine Investmentbank stufte den Titel aufgrund der instabilen Geschäftsentwicklung in Brasilien von “Buy” auf “Hold” herab und senkte das Kursziel von 121 Euro auf 118 Euro. Keine erfreuliche Diagnose für unseren Dax-Patienten!

Highlights dieser Woche:

 

  • Montag:

 

Großer Zahltag für die Atomkonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Für die Gesamtsumme von 23,6 Milliarden Euro kaufen sich die Unternehmen von der Verantwortung für ihren Atommüll frei. Damit geht die Verantwortung für die Zwischenlagerung, die Suche, den Bau und den Betrieb eines Endlagers für hochradioaktiven Abfall auf den Staat über. Viel Geld, doch glücklicherweise erwarten die Stromlieferanten im Gegenzug auch ein hübsches Sümmchen von der Regierung zurück: Immerhin 6,3 Milliarden Euro an unrechtmäßig erhobenen “Kernbrennstoffsteuern” bekommen die Energieversorger vom Fiskus erstattet.

 

  • Dienstag:

 

An der Wall Street bleiben die Bürgersteige hochgeklappt. Aufgrund des Independence-Day wird an der New Yorker Börse nicht gehandelt und somit sind von Seiten der USA Anfang der Woche wenig Impulse zu erwarten.

 

  • Mittwoch, Donnerstag und Freitag:

 

Konjunkturdaten und Zinsen: ein “langweiliges” Duo, sollte man meinen. Doch die beiden sind eng miteinander verwoben und können das Geschehen an den Märkten maßgeblich beeinflussen. Positive Daten lassen darauf schließen, dass sich die Wirtschaft eines Landes gut entwickelt. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank “mutig” an der Zinsschraube dreht. Deshalb warten viele Marktteilnehmer mit Spannung auf die wichtigsten Konjunkturtermine der Woche: den Auftragseingang der deutschen Industrie im Mai am Donnerstag und die Industrieproduktion am Freitag. Zudem wird, ebenfalls am Donnerstag, das EZB-Sitzungsprotokoll veröffentlicht. In den USA könnten die für Freitag geplanten Arbeitsmarktdaten für Aufsehen sorgen. Fallen diese positiv aus, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank dieses Jahr tatsächlich dreimal an der Zinsschraube dreht. Gut für Sparer, beängstigend für Aktionäre, die eine Kapital-Umschichtung in Richtung festverzinsliche Wertpapiere fürchten.

Liebe Leserinnen und Leser, glauben Sie nicht den Crash-Propheten, denn Aktien bieten trotz so mancher Korrekturen ungleich große Renditechancen. Sichern Sie sich deshalbnoch heute den boerse.de-Aktienbrief, den Sie gratis testen können und sogar noch ein Geschenk von uns erhalten: den brandaktuellen Sonderreport „Die Sommer-Champions 2017! Darin lesen Sie alles über die heißesten Champions-Aktien für die kommenden Monate, mit denen Sie jede Sommerflaute elegant umschiffen.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte, erfolgreiche Börsenwoche,

Ihre Miss boerse.de

Der Wochenausblick: Sunny side up!