BMW: Die Richtung stimmt – auch ohne Lenkrad

bmw-1845793_960_720Eine Studie rettet heute die Nachrichten-Wetterlage rund um BMW: Während ein Tiefdruckgebiet namens “Produktionsstopp” den Münchner Himmel verdunkelt, sorgt eine Meldung, wonach BMW der profitabelste Autobauer weltweit ist, für gelegentliche Aufheiterungen. Die Frage ist nur: Welche Neuigkeit wird das Stimmungsbarometer der Aktionäre beeinflussen?

BMW auf der Pole-Position

Good news first: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young erkämpfte sich BMW im ersten Quartal mit 11,3 Prozent Marge die Führungsposition in Sachen Profitabilität. Auf Rang drei und vier verkehren Daimler mit 10,3 Prozent und VW mit 7,8 Prozent. Die Silbermedaille sicherte sich diesmal allerdings kein deutscher Autohersteller, sondern ein japanischer Außenseiter: Suzuki. Nebenbuhler Toyota ist zwar immer noch die weltweite Nummer eins in Absatz und Umsatz, doch Suzuki produziert ertragreicher.

Auch in Sachen Gewinnentwicklung schalteten die deutschen Top 3 einen Gang rauf. Die Unternehmensberatung attestierte Daimler, VW und BMW einen deutlichen Gewinnsprung von in Summe acht auf elf Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die japanischen Autobauer legten nur um drei Prozent zu, die US-Konzerne verzeichneten sogar einen Gewinnrückgang von sieben Prozent.

Schwingt in Trumps Aussage, wonach deutsche Autohersteller zu viele Fahrzeuge in den USA verkaufen und Amerikanern die Arbeitsplätze “stehlen” also doch ein Funken Wahrheit mit? Nein, ganz im Gegenteil. Laut Zahlen des Branchenverbands VDA wurden 2016 in den Vereinigten Staaten rund 17,5 Millionen PKWs und leichte Nutzfahrzeuge verkauft wobei BMW, Daimler, VW & Co. nur 1,33 Millionen absetzten. Ein Marktanteil von nur sieben Prozent. Deutsche Hersteller produzieren zwar viele Neuwagen in den USA, verkaufen sie jedoch von dort aus in andere Länder und schaffen auf diese Weise weit mehr Arbeitsplätze in Amerika, als sie “vernichten”.

Däumchen drehen in München

BMWs profitable Produktion könnte allerdings einen leichten Dämpfer bekommen. Schon seit vergangener Woche kämpft der Autohersteller mit Lieferengpässen für ein unentbehrliches Teil seiner Lenkgetriebe. Bis auf weiteres läuft die Produktion in Südafrika, China, Leipzig und München deshalb nur auf halben Touren. Das kostet Nerven, Zeit und damit auch Geld. Während BMW-Mitarbeiter die Zwangspause nutzen, um an der Isar zu liegen, Überstunden abzugrillen oder Wartungsarbeiten durchzuführen, versucht ein internes Sondereinsatzkommando die Bänder schnellstmöglich wieder zum Laufen zu bringen. Eine schwierige Mission, zumal der zuständige Lieferant Bosch einer nicht genannten, italienischen Firma, die die fragile Logistikkette unterbrochen haben soll, die Schuld in die Schuhe schiebt.

Ein Produktionsstopp von ein paar Tagen ist nicht so dramatisch und kann schnell wieder aufgeholt werden. Sollte der Ausfall jedoch länger dauern, so würde der Rückstand zusätzliche Kosten verursachen, die die gefeierte Marge des Autoherstellers schmälern könnte. Momentan steuert BMW allerdings noch auf einem zuversichtlichen Kurs: Die Produktionsengpässe dürften bald behoben sein, Kundenlieferungen werden nicht beeinträchtigt und auch die Aktionäre bekunden der BMW-Aktie mit kaum merklichen Kursbewegungen ihr Vertrauen.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

 

 

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BMW: Die Richtung stimmt – auch ohne Lenkrad

Der Wochenausblick: Wettrennen oder Wassertreten?

adidas-1838597_960_720Als “Black Friday” können wir vergangenen Freitag nicht bezeichnen, aber grau war die Stimmung in Frankfurt auf jeden Fall. Der Dax zeigte sich von Christi Himmelfahrt gänzlich unbeeindruckt, rutschte am Feier- und darauf folgenden Brückentag zeitweise auf 12.530 Punkte und pendelte sich zu Börsenschluss bei 12.602 Punkten ein. Ein Wochenverlust von 0,3 Prozent. Die große Frage ist jetzt, ob wir es mit einem temporären Vatertags-Kater zu tun haben, oder ob sich die Kursverluste vergangener Woche noch ausweiten? In bester Verfassung befindet sich dagegen unser BCDI. Der boerse.de-Champions-Defensiv-Index erreichte vergangene Woche einen neuen Höchststand und übertraf mit einer Rendite von +11,9 Prozent seit Jahresbeginn Dax (+9,8 Prozent) und Dow (+6,7 Prozent) mit Leichtigkeit.

Amazon oder Alphabet: Wer knackt die 1000 Dollar-Marke?

Während der Dax eher orientierungslos scheint, gibt sich die Wall Street siegessicher. Zwar dürfen die US-Börsianer heute aufgrund des Memorial Days die Beine hochlegen, doch so eine kleine Verschnaufpause kann nach der Rekordjagd vergangener Woche nicht schaden. Sowohl S&P 500 als auch der Technologieindex NASDAQ erreichten neue Bestmarken wobei zwei Akteure den restlichen Marktteilnehmern die Show stahlen: die boerse.de-Champions-Aktien Amazon und Google-Mutter Alphabet. Die Internetriesen liefern sich seit Wochen ein spannendes Duell um die magische Bewertung von “1000 Dollar pro Aktie”. Amazon lag am Freitag mit 995 Dollar um Haaresbreite vorn, dicht gefolgt von Alphabet mit 993 Dollar pro Anteilsschein. Das bedeutet für mich und mein Depot: Daumendrücken für den E-Commerce-Pionier!

Ryanair und Rocket Internet: Bitte zum Bilanzcheck

Bilanzzahlen sind in dieser Woche Mangelware. Lediglich ein paar Nachzügler gewähren uns einen Blick in ihre Bücher, darunter Ryanair (Dienstag) und Rocket Internet (Mittwoch). Dabei könnten sowohl der “Überflieger”, als auch die Comeback-Aktie von Rocket Internet eine Überraschung parat haben. Während die Billigairline weiter auf die Kostenbremse drückt und dank dieser Strategie vermutlich bessere Resultate als im Vorjahr einfliegt, könnte der schon fast totgesagte Inkubator Rocket Internet endlich die Rakete zünden. Könnte. Denn seit dem Rocket-Börsengang mussten Anleger sehr viel Leidensfähigkeit beweisen, um Schwankungen von 15 Euro, über 58 Euro bis auf momentan rund 21 Euro zu überdauern. Die Startup-Schmiede, die Firmen wie Delivery Hero, Hello Fresh und den einzig wirklich erfolgreichen Sprössling Zalando hervorgebracht hat, schreibt noch immer Verluste. Eine spekulative Geduldsprobe…

Trump-Ticker

10.000 Sicherheitsleute bei gerade mal 11.000 Einwohnern: warum ausgerechnet die sizilianische Kleinstadt Taormina als Tagungsort für den G7-Gipfel auserwählt wurde, ist vielen ein Rätsel. Das Städtchen mutierte vom Touristenmagnet zum Sperrbezirk und das nur, weil sich Freitag und Samstag dort Vertreter der wichtigsten Industrienationen versammelten – darunter erstmals Donald Trump. Wie zu erwarten gestaltete sich das Treffen als schwierig. Schon im Vorfeld beschimpfte der US-Präsident die Deutschen als “sehr, sehr böse (bad)” und beschuldigte sie, zu viele BMW’s, VW’s, Porsche und Mercedes für Amerika zu produzieren: „Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen.“

Als Reaktion auf Trumps Drohung legten die deutschen Automobilwerte am Freitag den Rückwärtsgang ein und verabschiedeten sich mit Verlusten von teils über einem Prozent (BMW) ins Wochenende. Diese Schockwelle könnte zu Wochenbeginn noch weitere Kreise ziehen, denn neben möglichen Handelsdifferenzen mit Amerika hat BMW noch mit Problemen auf dem Heimatmarkt zu kämpfen: Wegen eines fehlenden Bauteils musste die Produktion in einigen Standorten am Wochenende teilweise gestoppt werden. Während sich einige Angestellte über Hitzefrei freuen, könnte das Logistikproblem BMW heute ins Schwitzen bringen. Produktionsausfälle kosten schließlich Zeit und damit auch Geld…

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Start in diese Börsenwoche,

Ihre Miss boerse.de

Der Wochenausblick: Wettrennen oder Wassertreten?

Geldvernichten leicht gemacht oder: unsere verhängnisvolle Liebe zum Sparbuch

scissors-893152_960_720Jeder deutsche Haushalt hat seit 2010 ganze 1.300 Euro beim “Sparen” verloren. In den kommenden 20 Jahren könnten sich die Verluste auf horrende 14.000 Euro pro Haushalt ausweiten. Ich werfe nicht gerne mit Zahlen um mich, doch die Ergebnisse, die die Experten der Comdirect Bank in der jüngsten Ausgabe ihres “Realzins Radars” präsentierten, erschüttern mich. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, aber ich muss ganz schön lange arbeiten um 1.300 Euro einfach so mal auf die Seite schaffen zu können, geschweige denn 14.000 Euro. Ein Verlust solch hoher Beträge ist schmerzlich, aber vermeidbar.

Die Ursache des Übels

Wie kommt es eigentlich, dass wir uns trotz guter Vorsätze auf Dauer “arm sparen”? Schuld an der aktuellen Entwicklung, die noch über Jahre anhalten könnte, ist die Geldpolitik der Zentralbanken gekoppelt mit der Spar-Moral der Deutschen, die sich einfach nicht von ihrem zweitliebsten Kind, dem Sparbuch, trennen können. Doch dazu später mehr. Konzentrieren wir uns erstmal auf den Entzündungsherd, die Zinspolitik:

“Die EZB enteignet Sparer”, harte, oft gelesene Worte, in denen leider mehr als ein Fünkchen Wahrheit steckt. Mit dem Ziel, Unternehmen und Privatpersonen zu Investitionen zu verführen und damit die Wirtschaft wieder ins Rollen zu bringen, hat die Europäische Zentralbank seit der Finanzkrise 2009 sukzessive den Leitzins auf Null Prozent gesenkt. Geld lehnen zum Nulltarif sollte die Konjunktur ankurbeln und die Inflationsrate erhöhen. Sehr zum Leidwesen der Sparer, deren verzinsliches Vermögen keine Rendite mehr erwirtschaftet und von der Inflation förmlich “aufgefressen” wird. Null Prozent Zinsen, zwei Prozent Inflation: So lautet das Patentrezept für die perfekte Geldschmelze.

Das Sparbuch-Syndrom

Doch offenbar lässt sich das “Volk der Sparer” von irrationalen, verlustbringenden “Geldanlagen” wie dem Sparbuch noch lange nicht abschrecken. Seit 2008 stieg das Finanzvermögen der Deutschen um etwa 1,5 Billionen Euro auf etwa 5,6 Billionen Euro. 38 Prozent davon, also 2,1 Billionen Euro, sind Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen. Auch ich besitze ein rotes Büchlein mit goldenen Initialen und bekenne mich dazu, über die Jahre hinweg ein inniges Verhältnis zu ihm aufgebaut zu haben. Weltspartag & Co. lehren uns schließlich schon von Kindesbeinen an, dass das Geld auf dem Buch “sicher” ist. Beziehungsweise war.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die Inflationsrate hierzulande bis 2022 auf 2,4 Prozent steigen wird. Bei möglicherweise weiter bestehendem Niedrigzinsumfeld.

Umdenken zahlt sich aus

Wie sagt man doch so schön: Es ist nie zu spät für einen Neuanfang. Natürlich können wir auf die EZB, die Banken oder die Politik schimpfen, doch reich werden wir damit nicht. Wir sollten endlich dazu übergehen, uns an den eigenen Haaren aus dem Zins-Sumpf zu ziehen. Zum Beispiel, indem wir endlich ein “Volk der Aktionäre” werden. Darin sind uns andere Nationen schon längst überlegen: Die Amerikaner verstehen sich traditionell als “Miteigentümer” von Unternehmen, dementsprechend hoch ist die Aktionärsquote und der Vermögenszuwachs. Während die Deutschen zwischen 2009 und Ende 2015 nur 17,5 Prozent mehr Eigenkapital erwirtschafteten, verdoppelten die Amerikaner ihr Vermögen. Vor allem, weil Aktien in den USA keine Spekulationsobjekte, sondern unbedingter Bestandteil jeder Anlagestrategie sind.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die enorme Diskrepanz zwischen Sparbuch und Aktien:

Hätten wir 2007 10.000 Euro aufs Sparbuch gelegt, so wären daraus 2017 bei einem gemittelten Zinssatz von 0,5 Prozent 10.511 Euro geworden. Berücksichtigt man zusätzlich eine Geldentwertung von einem Prozent, so fällt das Saldo unterm Strich sogar negativ aus.

Hätten wir 2007 dagegen 10.000 Euro in den Dax-Kursindex investiert, so wären daraus bis heute 11.624 Euro geworden. Ein Zugewinn von 16,4% Prozent. Plus Dividendenrenditen, versteht sich.

Zahlen, die eine deutliche Sprache sprechen. Wenn auch Sie dem Sparbuch endgültig Lebewohl winken und Ihr Erspartes langfristig rentabel anlegen möchten, dann führt an Aktien kein Weg vorbei. Wir von boerse.de machen Ihnen den Einstieg in die Welt der Aktien so leicht wie möglich: Gehen Sie einfach zu einer Bank oder Sparkasse Ihrer Wahl und erkundigen Sie sich nach dem boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI). Mit diesem Grundlageninvestment, bestehend aus zehn besonders risikoarmen und gleichzeitig renditestarken Aktien wie z.B. Nestlé, Fielmann oder Fresenius, hätten Sie innerhalb der vergangenen zehn Jahre sogar ein Plus von 269 Prozent erzielt. Aus 10.000 Euro wären 26.900 Euro geworden…
Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende,

Ihre Miss boerse.de

Geldvernichten leicht gemacht oder: unsere verhängnisvolle Liebe zum Sparbuch

BMW: Mieses Karma hinterm Steuer

urn-newsml-dpa-com-20090101-161114-99-172930-large-4-3.jpgSommersonne ist verdammt anstrengend. Ich weiß nicht wies euch geht, aber ich zwinge mich gerade dazu, meine übermüdeten Wochenendaugen hinter einer XL-Sonnenbrille zu verbergen und gleichzeitig den Screen meines Laptops so auszurichten, dass ich darauf mehr als mein eigenes Spiegelbild erkennen kann. Die beste Strategie für diesen Montag ist also: schnell den Trade-des-Tages klarmachen, früh in den Feierabend starten und dann ab ans Gewässer!

Alles zugeparkt mit fetten BMW’s? Guess why! Einige Mitarbeiter des Autobauers bekommen dieser Tage hitzefrei, weil ein Teil fehlt und die Produktion deshalb an einigen Standorten stillsteht.

Trump denkt, BMW lenkt…

…nicht. Lenkgetriebe aus Bella Italia sind irgendwo hinterm Brenner hängen geblieben und sorgen für eine Open-End Zwangspause an den Bändern. Zwar hat BMW sogar eine eigene “Task Force” zusammengestellt, die sich als Sondereinsatzkommando in Sachen Lenkgetriebe um eine schnelle Lieferung kümmern soll, doch wie lange die italienischen Kollegen noch Dolce Vita feiern, ist derzeit ungewiss. Sicher ist aber, dass so ein Produktionsausfall Zeit und Geld kostet und die Aktionäre BMW heute den zweiten Tag in Folge ins Minus befördern.

Vielleicht haben aber auch die sizilianischen amici etwas damit zu tun? Auf dem G7 Gipfel am Freitag in Taormina schockte Trump die deutschen Autobauer nämlich mit den Worten: „Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie (die Deutschen Autohersteller) in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen.“ Ich bin ja nicht so esoterisch unterwegs, aber wer weiß, wer weiß, vielleicht verbreitete Trump in Italien so viel mieses Karma, dass sogar die Fließbänder Bammel bekamen und ihren Dienst einstellen?

Offene Türen in den USA?

Trump ist mittlerweile zurück in Washington und schon schlägt sein Spirit wieder zu: Er will die Schranken für die deutsche Autoindustrie schließen und was passiert? BMWs Türen öffnen sich!

Und das auch noch während der Fahrt! Deshalb müssen die Münchner in den USA rund 45.000 ältere Fahrzeuge der 7er Reihe zurückrufen und reparieren. BMW befindet sich momentan auf dem Highway to hell aber soviel ist sicher, Leute: Karma f**** back! Happy Trading!

BMW: Mieses Karma hinterm Steuer

Vonovia: Wer hoch baut, kann tief fallen?

19_Preview_UnternehmensfotosWohnungskonzern Vonovia präsentiert morgen Bilanzzahlen der vergangenen drei Monate. Ein spannendes Thema, das mich als erblich vorbelasteter Immobilien-Fan und Wahl-Münchner besonders interessiert. Vor allem in Ballungszentren ist der Immobilienmarkt schon seit Jahren so überhitzt, dass es äußerst schwierig und teuer ist, überhaupt eine angemessene Bleibe zu finden. Gepaart mit dem andauernden Niedrigzinsumfeld befürchten Experten deshalb eine “Immobilienblase”, die Unternehmen wie Vonovia noch reicher und Mieter ärmer machen könnte.

Luftschlösser…

Der Dax-Newcomer, der erst seit 2015 zur elitären Familie der deutschen Top-30-Unternehmen zählt, hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Performance hingelegt. Anleger, die die Vonovia-Aktie am Tag ihres Börsendebüts am 11. Juli 2013 erwarben, freuen sich heute über eine Rendite von 95,7 Prozent. Da bekommt der Ausdruck “Betongold” eine ganz neue Bedeutung…

Vonovias Fundament besteht aus bundesweit rund 340.000 Mietwohnungen, vor allem in Großstädten wie Berlin, Dresden oder dem Ruhrgebiet. Der bochumer Konzern erwirtschaftete 2016 ein Ergebnis von 2,3 Milliarden Euro dreimal so viel wie im Jahr zuvor. Eigentlich eine gute Sache, wenn es in Zeiten von Wohnungsnot ein Dax-Unternehmen gibt, das so erfolgreich mit Immobilien wirtschaftet, oder? Nicht ganz. Denn Vonovias Erfolg beruht vor allem auf der geschickten Vermarktung ehemaliger Sozial- und Arbeiterwohnungen und nicht auf der Schaffung von neuem Wohnraum. Die Konsequenz: Das Unternehmen wächst, das Angebot auf dem Wohnungsmarkt stagniert.

Des einen Freud, des anderen Leid. Auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Wohungskonzern vergangene Woche wurde die Kontroversität der Parteien besonders deutlich. Während Aktionäre, die Vonovia als reine Geldanlage betrachten, Konzernchef Rolf Buch zujubelten, machten Anteilseigner, die gleichzeitig Vonovia-Mieter waren, ihrem Ärger Luft.

Die goldene Kuh lässt sich nämlich nur melken, solange Vonovia die Mieten erhöhen kann. Zum Beispiel nach Modernisierungen. Mieter werfen dem Unternehmen auch vor, von “Zusatzleistungen” wie der Vermietung von Küchen, Kosten für zweifelhafte “Müllmanager”, die auf die Bewohner umgelegt werden und intransparenten Nebenkostenabrechnungen zu profitieren, anstatt dringende Sanierungsarbeiten durchzuführen.

…vom Einsturz bedroht

Vonovias umstrittenes Erfolgsmodell könnte in den kommenden Jahren ins Wanken geraten. Zum einen, weil sich die Europäische Zentralbank langsam aber sicher an die längst überfällige Zinserhöhung wagt, die Darlehen für Unternehmen und Privatanleger wieder teurer machen würde. Zum anderen, weil die Immobilien-Nachfrage aufgrund der höheren Zinsen zurückgehen könnte. Weiteres Unheil droht von Seiten der Politik: Der Staat könnte zukünftig Mieterhöhungen nach Modernisierungsmaßnahmen reglementieren oder mit Hilfe der sogenannten “Mietpreisbremse” unangemessenen Mieterhöhungen in Ballungszentren wie Berlin oder Dresden einen Riegel vorschieben. Beide Maßnahmen würden das Erlösmodell von Vonovia erheblich beeinträchtigen und machen die Aktie des Wohnungsunternehmens zu einem riskanten Investment.

Ein Profil, mit dem sich Vonovia sicher nicht als Champions-Aktie qualifiziert. Sie schlafen vermutlich ruhiger, wenn Sie Ihr Kapital in die eigenen vier Wände, statt in Immobilien-Unternehmen mit fragwürdigen Geschäftsmodellen investieren. Gepaart mit einem aktienbasierten Grundlagen-Investment wie dem boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI) steht Ihre langfristige Vermögensplanung auf einem soliden Fundament, das etwas Gegenwind von Seiten der Banken oder Politik leicht vertragen kann.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

 

Vonovia: Wer hoch baut, kann tief fallen?

Der Wochenausblick: Jammern auf hohem Niveau

hammock-2036336_960_720Auf und nieder, immer wieder…Was für uns nach körperlicher Ertüchtigung klingt, hält auch den Dax in Form. Unser heimischer Leitindex ging zwar vergangenen Mittwoch und Donnerstag kräftig in die Knie und sackte sukzessiv rund 300 Punkte abwärts, bekam aber am Freitag wieder Boden unter die Füße. Zum Wochenausklang standen 12.639 Punkte auf dem Zähler, rund ein Prozent weniger im Vergleich zur Vorwoche.

Panik? Nein, Schnäppchenjagd! Während viele Börsen-Neulinge und Crash-Propheten bei solchen Kapriolen Muffensausen bekommen, nutzen erfahrene Börsianer Rücksetzer oft als Nachkaufgelegenheit. Als Chance, vielversprechende, teils überteuerte Aktien zu einem reellen Preis zu bekommen. Dieser Effekt machte sich am Freitag bemerkbar, als sich Dax und Dow Jones nach dem reinigenden Gewitter der Vortage wieder leicht erholten.

TrumpPhobia

Eine schöne neue Wortschöpfung, die bei Google immerhin 46.000 Suchresultate erzielt. Gemeint ist die fast krankhafte Furcht vor den Handlungen des US-Präsidenten, die die Märkte schon seit dem Wahlkampf in Atem hält. Donald Trump entwickelt sich langsam zu so etwas wie einem Börsenbarometer. Der Segen im Weißen Haus hängt mal wieder schief? Ein schlechtes Omen für die Stimmung an den Märkten. Vermutlich ist es also nur noch eine Frage der Zeit, bis findige Analysten einen Algorithmus entwickeln, mit dem sich Börsenkurse basierend auf den “Tweets” des Präsidenten prognostizieren lassen. Und selbst dann wird sich zeigen: das einzig zuverlässige Börsenbarometer der Welt ist die Börse selbst.

Lassen Sie sich deshalb von kurzen “Verschnaufpausen” oder den Unkenrufen der Medien nicht irritieren – die Märkte haben mehr Fantasie, als so mancher Finanzexperte. Während viele Marktteilnehmer an der ein oder anderen Phobie erkrankt sind, lehnen sich meine boerse.de-Kollegen und ich ganz entspannt zurück denn wir wissen: Solange sich die Erde noch dreht, so lange strebt die Menschheit nach Wachstum. Diese Motivation spiegelt sich in der Konjunktur und den Kursentwicklungen von Dax und Dow wider, die im Mittel jährlich 9 Prozent Rendite erzielen. Das ist keine aus der Luft gegriffene Zahl, sondern das Ergebnis historischer Auswertungen, die ihre Gültigkeit auch in Zukunft nicht verlieren werden. Wichtig ist nur, dass Sie sich langfristig orientieren. Zum Beispiel mit einer Investition in den boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI). In diesem Index haben wir für Sie eine “Elite-Auswahl” von zehn besonders risikoarmen, renditestarken Champions zusammengestellt, mit dem Anleger, die den BCDI zu seiner Börseneinführung am 1.Juli 2014 erwarben, bis dato 50,7 Prozent Rendite erzielten.

US-Wirtschaft gesund

Viele Finanzexperten lassen sich von geopolitischen Unruhen ins Boxhorn jagen und übersehen dabei das wichtigste Indiz für Wachstum: Die wirtschaftliche Stabilität in den USA und hierzulande. Fakt ist, dass Amerikas Wirtschaft läuft. So hat sich das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Mai überraschend aufgehellt. Der sogenannte “Philly-Fed-Index” ist im Mai überraschend auf 38,8 Punkte gestiegen, nach 22,0 Punkten im Vormonat. Erwartet wurde ein Rückgang auf 18,5 Punkte. Zudem ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche unerwartet gefallen. Alles positive Indizien, die auf ein fortgesetztes Wirtschaftswachstum in den USA schließen lassen.

Die Dates der Woche

Auch diese Woche treffen wir auf einen alten Bekannten: Donald Trump. Der US-Präsident begab sich am Freitag auf seine erste, neuntägige Auslandsreise, die ihn nach Saudi-Arabien, Israel, die Palästinensischen Autonomiegebiete, den Vatikan, Italien, Brüssel und Sizilien führt. Am Ende könnte Trump deutlich mehr als 25.000 Flugkilometer auf dem Tacho haben und die Welt wird jede einzelne seiner Flugmeilen mit Argusaugen verfolgen. Eine Welttournee, die eventuell auch für Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen könnte.

Die Finanzagenda ist dieser Tage dagegen recht lückenhaft. Ein paar Bilanzzahlen (darunter Vonovia, Tiffany und HP am Mittwoch), zahlreiche Hauptversammlungen, einige Konjunkturdaten und ein Feiertag (Donnerstag): Diese Woche kommen “Impulse” für die Finanzmärkte vermutlich eher aus politischer Richtung, als von Unternehmensseite. Also gönnen Sie sich eine kleine Auszeit im Liegestuhl, genießen Sie die Sonnenseiten des Lebens und erinnern Sie sich an die weisen Worte von André Kostolany: “Der Analytiker denkt, die Börse lenkt”.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte, erfolgreiche Börsenwoche,

Ihre Miss boerse.de

 

Der Wochenausblick: Jammern auf hohem Niveau

RWE: Energieriese back on stage

Rosa Hase
Merle WasmuthErinnert ihr euch noch an den trommelnden, rosa Duracell-Hasen? Der Bunny mit der alkaline Batterie im Bein hält entscheidend länger durch als seine Kumpels, die schon nach ein paar Takten schlapp machen. So ähnlich gehts momentan auch RWE, dem Energieriesen, der seit Freitag die Börse rockt. Während seine Mitstreiter Eon und EnBW eher in der Horizontalen dümpeln, gibt RWE so richtig Stoff.

Energyboost

Zum Wochenausklang standen 5,4 Prozent Plus aufm Ticker, heute legt RWE nochmal 1,6 Prozent drauf. Was geht im Ruhrpott? Der Energieversorger profitiert von gleich zwei guten Nachrichten: Am Freitag gabs Getuschel über eine mögliche Allianz zwischen RWE und dem französischen Konkurrenten Engie und heute strich ein gewisser Adam Dickens, Aktien-Analyst bei HSBC, RWE von seiner Verkaufsliste. Besser noch: Er erhöhte das Kursziel des Energieriesen von 13,40 auf 17,20 Euro. Fast schon ein Ritterschlag und ein deutliches Signal für Investoren: Kaufen, das Ding!

Tête-à-Tête

Die – pssst! – vertraulichen Gespräche zwischen RWE und Engie sind so vertraulich, dass sie nicht mal stattfinden. Insidern zufolge erwägen die beiden Stromversorger zwar eine deutsch-französische Melange, tauschen sich darüber allerdings bislang nur mit ihren Beratern und Banken aus. Ein Rendezvous fand – angeblich – noch nicht statt. Die Anleger geraten aber schon mal ins Schwärmen und befördern RWE in die Pluszone. Der Energieversorger könnte einen Teil seiner Ökostromtochter Innogy an die Franzosen abgeben und würde im Gegenzug Engie-Anteile erhalten. Ob RWE mit diesem Tauschgeschäft unterm Strich mehr Rendite macht, ist allerdings fraglich.

Fakt ist aber, dass RWE sowas wie der Robbie Williams unter den Stromanbietern ist. Die Aktie des Energieversorgers gewann nach jahrelangem Entzug seit Januar rund 43 Prozent an Wert und ist damit schon jetzt eine der Comeback-Aktien 2017. Eigentlich total irrational, denn trotz leicht steigender Strompreise handelt RWE mit dem Auslaufprodukt “Schmutz-Strom” aus Kohle- und Atomkraftwerken, das der Energiewende zum Opfer fallen wird. Die Einnahmen sind rückläufig, der Aktienkurs steigt trotzdem… Happy Trading aber: vorsicht beim VoRWEg gehen!

 

RWE: Energieriese back on stage